Erzählt es euren Kindern nicht!

Ich bin kein Wunschkind – meine Mutter wollte mich nicht. Sie erzählte mir, dass sie mich abtreiben lassen wollte, da war ich irgendwas zwischen 12 und 15. Sie meinte das nicht böse, wir verstanden uns gut und sie dachte wohl, dass man „sowas“ doch erzählen kann. Meine Geschwister hätten sie überzeugt, mich zu bekommen und mein Eindruck ist es heute noch, dass sie dafür verantwortlich sind, dass es mich schlussendlich gibt.

Mein Vater, zu dem ich mit 30 Jahren ersten tieferen Kontakt hatte, fragte mich einmal: „Weisst du, dass deine Mutter dich abtreiben lassen wollte?“ „Ja,“ sagte ich, „sie hat es mir erzählt, aber ich denke nicht, dass man dies tun sollte!“ Er seufzte und klagte an: „Tss, das erzählt man ja auch keinem Kind!“

?!?

Als ich 6 Jahre alt war, wurde meiner Mutter vom Jugendamt das Sorgerecht für mich für immer entzogen. Ich wechselte übergangslos in eine Pflegefamilie und hatte damit sehr großes Glück.

Mir geht es heute gut. Dennoch: das Gefühl, kein Wunschkind, kein Wunsch-Mensch, nicht ge- und erwünscht zu sein, schleicht sich in schlechten Momenten immer wieder in mein Herz und als Gedanken in meinen Kopf. Das vergiftet und man kann darin wunderbar ertrinken. Deshalb verlangt es mir immer wieder viel Kraft ab, das nicht zuzulassen.

In dem Buch „Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna“ von Fynn erklärt die fünfjährige Anna ihre Sicht auf Gott:

„Fynn, du hast mich lieber als irgendwer sonst, und ich hab dich auch lieber als irgendwer sonst. Aber mit Mister Gott ist das anders. Siehst du, Fynn. Leute lieben von außen rein, und sie können von außen küssen, aber Mister Gott liebt dich innen drin und kann dich von innen küssen, darum isses anders.“

Ob man nun an Gott glaubt oder nicht: In jedem von uns, ganz tief drin, will jeder gewünscht und erwünscht sein und geliebt werden – das ist existenziell. „Die Leute lieben nur von außen rein“, das ist schön – für den Moment – aber es reicht nicht. Es muss von innen kommen, nur dann verankert es. Die Kinder kommen mit dieser Grundausstattung bereits auf die Welt. Sie haben noch dieses Urvertrauen zu sich und uns. Ich bin mir sicher, wenn wir es schaffen, in unseren Kindern diese innere und vor allem eigene Liebe zu erhalten, dann ist das die beste Seelen-Lebensversicherung, die wir für unsere Kinder abschließen können.

Deshalb bitte ich euch: Erzählt es euren Kindern nicht, wenn ihr überlegt habt, sie nicht zu bekommen. Nicht, wenn sie 12 sind, auch nicht, wenn sie 30 sind. Es sind immer eure Kinder. Auch mit 30. Erzählt ihnen, wie froh ihr seid, dass sie da sind. Und den restlichen Teil erzählt einer Freundin, der eigenen Mutter, dem Lebensgefährten oder irgendwem. Aber niemals euren Kindern.

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42 Antworten zu Erzählt es euren Kindern nicht!

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  3. Mamamotzt schreibt:

    So denke ich auch, kein Thema zum Erzählen.
    In Zukunft können die meisten Kinder aber ohnehin sicher sein, dass sie gewollt waren, denn niemals vorher war es so einfach, nicht schwanger zu werden oder eine Schwangerschaft vorzeitig und willentlich zu beenden.
    Das war zu unserer Zeit noch wesentlich unwahrscheinlicher.
    Sei gedrückt!

  4. Lottchen schreibt:

    Mache das gleiche durch. Mir hat meine Mutter beim Kaffeekränzchen bei Bekannten erzählt das sie mich nie wollte. Sie wollte mich abtreiben da war ich um die 10 ich habe dies bis heute nicht verkraftet wobei ich jetzt 32 Jahre alt bin. Ich habe meine Mutter schon vorher gehasst und tue dies immer noch. Denn seit 32 Jahren spüre ich das sie es bereut diesen Termin nicht wahr genommen zu haben. Sie ist meine Mutter und ich hasse sie einfach…. entweder abtreiben oder für immer schweigen.

    • Sapperlotta schreibt:

      Wie gut ich dich leider verstehe. Meine Mutter erzählte es einer Freundin beim Autofahren als ich, ca 9, und meine beiden viel jüngeren Halbschwestern hinten sassen. Ich bin nun 53 und es tut immer noch weh. Ich würde gerne etwas tröstliches sagen. Diese Frau ist auch keine Mutter für mich. Und was du sagst ist so richtig: abtreiben oder schweigen für immer !
      Sie herzlich gegrüsst und ich hoffe du überwindest es. Wir sind hier und leben und können es trotzdem geniessen

    • Tim schreibt:

      Ist da nicht auch eine Wahrheit enthalten die vorher nur geahnt worden konnte?
      Wenn du sie eh hasst dann sind die Fronten doch nun noch klarer?

  5. cobra schreibt:

    Obwohl meine Mutter mich von Herzen wollte, treibt mir das die Tränen in die Augen. Es muss schlimm sein, in diesem Wissen groß zu werden und damit zu leben. Es erschüttert mich, wie wenig Feingefühl manche Mütter zu besitzen scheinen …

  6. Doreen schreibt:

    Hm, also ich sehe das irgendwie anders. Vielleicht kommt es einfach darauf an, wie es gesagt wird und wie das Verhältnis zur Mutter ist. Ich war selber auch nicht geplant und hab das nie schlimm gefunden, im Gegenteil, ich finde es hat irgendwie was Schicksalhaftes und „Naturgewaltiges“ einfach ungeplant entstanden zu sein. Fände den Gedanken, dass meine Existenz im Vorhinein geplant gewesen wäre irgendwie limitierend. Meine beiden Kinder waren auch zu dem Zeitpunkt zu dem sie entstanden sind nicht geplant. Ich kenne eine, deren Mutter wollte sie eigentlich zur Adoption freigeben, konnte sich dann nach der Geburt aber doch nicht von ihr trennen und Mutter und Tochter lieben sich seither beide abgöttisch. Ich finde nichts schlimmes dabei zu sagen, „als du entstanden bist, wollte ich eigentlich gar kein Kind und wusste nicht ob ich dich behalten soll, aber dann bist du geboren worden, seither ist mein Leben um so viel reicher und heute sehe ich das als das beste, was mir je passiert ist!“

    • Christiane schreibt:

      Ich schließe mich im Grundgedanken Doreen an – wenn der letzte Satz, den Doreen schreibt, auch dem Kind gesagt wird, dann könnte ich mir vorstellen, dass man mit dem Gedanken, nicht von Anfang an gewünscht zu sein, umzugehen lernt, vielleicht sogar versteht oder es einen nicht zerreißt. Wenn es einen aber zerreißt, wie jetzt bei Dir, dann ist da noch so viel mehr im Argen, dann glaube ich einfach, dass man diese Nicht-Wollen spürt. Und zwar für immer. Und das spürt man auch, instinktiv, wenn es nicht ausgesprochen wurde. So glaube ich zumindest. Aber wenn ich weiter drüber nachdenke… ja, es muss schon sehr sehr weh tun, wenn man es dann auch hört. Nicht nur denkt oder glaubt. Sondern es formuliert wird. Laut. Es tut mir sehr leid, dass Du deswegen zu kämpfen hast und ich wünsche Dir von Herzen alles Gute.

    • Kataryn schreibt:

      Da hast du sicher recht Doreen, aber ich finde es kommt auch darauf an, wie die Beziehung zwischen Mutter und Kind ist. Wenn das Kind von vornherein nicht gewollt war und auch mit diesem Bewusstsein aufwächst, ist es wie ein kleiner Kobold im Nacken, der einen immer daran erinnert, daß man nicht gewollt war. Es ist als würde jmd. immer mal wieder eine Wunde im Herzen öffnen und einfach nicht heilen lassen. Das ist schlimm und sollte nicht sein. Und wenn ein Kind nicht gewollt war, wird es das auch leider so merken, man muss nicht noch extra Salz in die Wunde streuen….

    • Tanja schreibt:

      Ziemlich genau so sehe ich das auch! Ich habe mich schon öfter gefragt was ich meinem Sohn mal sagen werde..(Er ist grad 3^^) aber als Mutter kommen solche Gedanken. Zum Erzeuger besteht 0 Kontakt.
      Meine Situation war auch so, ich habe mir IMMER Kinder gewünscht, nur genau in diesem Moment, mit doeser anderen Person EIGENTLICH nicht…
      Ich sage immer das einzige und wirklich beste was dieser Mann zu stande gebracht hat, ist, mir diesen wundervollen Sohn zu schenken!!!! Ich mache ihm keine Vorwürfe mehr das er wahrscheinlich einfach das Gummi weggelassen hat (Es war Sylvester auf Neujahr, ich han etwas getrunken, er NIX). Ich bin ihm vielmehr Dankbar!
      Es war ein, auf gut deutsch gesagt, SCHEISS Zeitpunkt in meinem Leben, dass ist das einzige was mir manchmal noch querschlägt, ABER NIEMALS zeige ich das meinem Sohn!!!! Er ist mein Leben, mein Ein und Alles und ich liebe in abgöttisch. Und ich sage auch so, wenn man schonmal als alleinerziehende Mama gefeagt wird, war er denn gewollt. JA, er ist ein Wunschkind, von ganzem Herzen, nur war es zu diesem Zeitpunkt NOCH nicht geplant.

      Ich bereue es keine Sekunde ihn bekommen zu haben und wenn man mal wieder daran denke es zu bereuen seinen Erzeuger getroffen zu haben, schlägt mich ne innere Faust und ich höre sofort damit auf, denn dann hätte ich mein kleines Wunder niemals in den Armen halten können 🙂

    • vomwerdenzumsein schreibt:

      Liebe Doreen,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Mein Blogbeitrag und mein Empfinden ist aus der Summe vieler Erfahrungen entstanden. Sicherlich mag es gut gehen und so wie du es schreibst, klingt es schlüssig. Egal mit welcher Vorgeschichte ein Kind aufwächst, ich sehe einfach keine Veranlassung, einem Kind den Abtreibungsgedanken mitzuteilen. Das hat auch mit Wunschkind (hier habe ich die Überschrift irreführend gewählt) nicht viel zu tun. Denn viele Kinder finden ihren Weg zur Erde, wo sie noch kein Gedanke sind. Das ist okay. Auch damit zu hadern. Aber warum muss man diese Geschichte mit dem Kind teilen?

      Viele Grüße
      Tina

    • Nofretete schreibt:

      Nun grundsätzlich gebe ich dir recht. Jedoch ist es ein riesiger Unterschied, ob das Kind „nur“ nicht geplant war (wg ungünstiger Umstände) oder ob sogar über Abtreibung nachgedacht wurde. Letzteres, finde ich, sollte nicht ausgesprochen werden.

      Ich bin zum Teil echt schockiert über die Geschichte einiger Kommentatoren.

  7. Toller Artikel. Ich bin ein Adoptivkind – zu meinen Adoptiveltern kam ich direkt nach der Geburt und sie sind für mich meine richtigen Eltern. Mit ganzem Herzen und allem. Von ihnen war ich gewünscht! Entstanden bin ich durch eine Vergewaltigung. Da hat mir meine leibliche Mutter – die ich erst mit 30 kennengelernt habe – das so nebenbei erzählt. Ich denke bis heute, dass es kein schönes Gefühl ist zu wissen, dass man durch einen so schrecklichen Akt der Gewalt gezeugt wurde und nicht aus Liebe. Aber ich kann damit umgehen – weil ich eben ganz tolle Adoptiveltern habe, die ich und die mich wie ihr eigenes Kind lieben und behandeln.
    Und trotzdem kann ich dieses Gefühl dass Du hier beschreibst so gut nachempfinden. Aber Kopf hoch: heute gibt es Menschen die Dich lieben und die sich freuen, dass Du da bist und dass es Dich gibt. Richte den Blick lieber darauf.
    Alles Liebe, Anna

    • vomwerdenzumsein schreibt:

      Liebe Anna,

      ich überlege seit gestern, was ich zu deinen Worten schreiben soll und bin immer noch sprachlos. Ich danke dir für deinen Mut hier kommentiert zu haben. Was du beschreibst, ist nochmal eine ganz andere Nummer.

      Und du hast Recht: es gibt Menschen, die mich lieben und oft kann ich auch meinen Blick darauf richten. Im großen und ganzen geht es mir heute gut.

      Alles Liebe
      Tina

  8. Susann schreibt:

    Also ich seh das auch anders, ich war auch nicht geplant und doch hat meine Mutter immer alles für mich getan und geliebt, natürlich auch heute noch. Sie hat mir nie das Gefühl gegeben das sie es bereut. Ich denke auch, das es immer darauf ankommt wie das Verhältnis zur eigenen Mutter ist und wie sie es ihrem Kind mitteilt. Ich liebe meine Mutter trotzdem, hab ein super Verhältnis zu ihr , sehen uns jedes wochenende , bin auf ihren Wunsch sogar in ihre nähe gezogen. Wiegesagt kommt immer auf das Verhältnis zur Mutter an und wie sie es sagt.

  9. Linda R schreibt:

    Ganz genau! Du hast es auf den Punkt gebracht …
    Mich gibt es auch nur, da man dachten das mein Bruder stirbt und meine Schwester nicht alleine aufwachsen sollte. Zudem sollte ich noch ein Junge werden.
    Tja, es kam anders … ich wurde ein Mädchen und meine Eltern haben immer noch 3 Kinder.
    Ich weiß nicht, wann man es mir erzählte, aber ich kam mir immer fehl am Platz vor … das 5. Rad am Wagen … und das wird wohl leider so bleiben 😦

  10. Angie schreibt:

    … Mir kommen die Tränen … Egal wie alt ein Kind ist sowas sollte man nie erzählen!

    Ich hatte meine Mutter damals mal gefragt ob ich ein „Unfall“ war. Sie schaute mich lieb an und meinte du warst kein „Unfall“ – du warst eine „Überraschung!“
    Nicht geplant, aber von Moment an als Sie wusste ich bin unterwegs, war ich gewollt ❤

  11. mausmahdu schreibt:

    Ich kenne dieses Gefühl, auch mir wurde gesagt, wenn ich gewusst hätte, dass Du ein Mädchen wirst hätte ich dich abtreiben lassen. Es war sehr lange schmerzhaft, dieser Gedanke verfolgte mich in die tiefsten dunkelsten Stunden meines Lebens und auch an schönen Tagen war immer so ein bitterer Beigeschmack da. Ich glaube es ist egal ob du geplant , ungeplant oder ungewollt von deinen Eltern bist, Du bist da und nur du lebst dein Leben. Du kannst entscheiden was Du aus Deinem Leben machst und wie du lebst und liebst. Nur wer verletzt wurde , kann auch wirklich tief empfinden. Für mich ist es nicht selbstverständlich dass man Familie hat, aber ich habe gelernt, dass Freunde, die für einem Familie werden oftmals tausendmal mehr wert sind. Es ist dein Selbstbewußtsein, dass dir einen streich spielt. Der einzige Mensch , der dich so annehmen und lieben muss wie du bist, bist du selbst! Deine Erwartungshaltung ist eigentlich dass was dich verletzt, aber das Leben ist kein Wunschkonzert! Nimm es an und stell dich deinem ungewolltem Leben 😉 denn du bist da und das ist das einzige was zählt. Deine Freunde, die Menschen die dich lieben werden dir alle sagen, dass sie froh sind dass es dich gibt … und gib jedem Menschen, der in dein Leben tritt die Chance dir zu zeigen wie sehr du geliebt wirst. und übrigens jeder Mensch ist es Wert geliebt zu werden egal ob mit 12 mit 30 oder mit 96 . …. Für die die sich wie ein 5 tes Rad fühlen, manchmal ist das Ersatzrad in den schlimmsten Situationen , die einzige Rettung um noch in Sicherheit zu kommen ❤

  12. Princess Leia schreibt:

    Ich habe den Artikel letzt irgendwo bei Facebook geteilt gesehen und mußte damals schon weinen als ich ihn gelesen habe. Mir hat meine Mutter im Streit als Teenager mal an den Kopf geworfen, dass sie ja nicht noch ein Kind wollte, aber mein Vater ja unbedingt. Wahrscheinlich weiß sie das nicht mehr, ist bestimmt 20 Jahre her. Aber ich habe das nie vergessen. Aber selbst wenn sie es nicht ausgesprochen hätte, so war es mir immer unterschwellig bewusst. Sie geht bis heute mit meiner Schwester ganz anders um als mit mir.
    Ich glaube einfach, wenn man vielleicht nicht geplant war, aber trotzdem von den Eltern geliebt wird, dann merkt man das genauso wie wenn man nicht erwünscht war und sich daran auch nach der Geburt nichts geändert hat. Sollte es mal Thema sein würde ich es wenn formulieren, dass man nicht geplant war, aber dass es trotzdem das beste war, was einem passiert ist oder so ähnlich.

  13. Claudia schreibt:

    Meine Mutter sagte mir auch in meiner Teenagerzeit, dass damals die Pille danach nicht gewirkt habe. Und ich habe ihr daraufhin erklärt, dass sie sie viel zu spät genommen habe. Dieses Gespräch habe ich noch im Ohr und habe mich immer gefragt, warum es mich nicht zu Tode entsetzt hat. Wohl, weil ich trotz der Geschichte dahinter nie am SINN meiner eigenen Existenz gezweifelt habe. Denn trotz allem haben mir meine Eltern nie das Gefühl gegeben, dass ich nicht sein dürfe. Das wäre für mich das eigentliche Schlimme gewesen. Aber sie haben JA zu meinem Leben gesagt und haben die damit verbundenen Herausforderungen angenommen so gut sie es konnten. Vielleicht ist es auch so, weil ich mit beinahe acht Jahren durch einen Unfall beinahe ums Leben gekommen bin und seither erst recht das Gefühl habe, dass ich einfach da sein MUSS. Dass es meine Bestimmung ist, da zu sein. Punkt. Inzwischen habe ich selbst fünf Kinder, die längst nicht alle geplant waren und oft eine bewusste Entscheidung von mir gefordert haben. Meine Kinder wissen das genauso, wie sie jeden Tag erfahren, wie sehr sie geliebt sind und welch großartige Geschenke sie für uns sind. Sie sind allesamt das Beste, was mir in meinem Leben passieren konnte. Ich bin froh um das Gespräch damals mit meiner Mutter, weil es ehrlich war und mir gezeigt hat, dass manche Wahrnehmung in meiner Kindheit nicht „falsch“ war, dass meine Gefühle stimmten, wenn ich merkte, dass es schwer war für meine Mutter.

  14. cd700 schreibt:

    Lieber Thread-Verfasser,

    NEIN! Ich bin da 180 Grand (und noch mehr..!) anderer Meinung… ein Kind, wenn es das wissen will, hat das RECHT, die Wahrheit zu erfahren…
    Man kann das (wie alles..!) nicht pauschalieren!
    Du wirst deine Gründe gehabt haben, warum es bei dir so war wie es ist, oder ist wie es ist… das ist schlimm.. oder auch nicht.. oder wie auch immer… aber das ist halt DEINE Meinung…
    …aber da gibt es halt auch ganz andere Fälle… und „Konstellationen“… und Meinungen…
    Daher bitte ich, nicht von Dich auf andere zu schließen…
    Tatsache ist, dass jeder, wenn er dies WILL (!), ein RECHT auf die WAHRHEIT HAT!!!
    DAS IST TATSACHE…!
    So sehe ich das…

  15. cd700 schreibt:

    [Ergänzng…] man hat auch ein Recht zu wissen, WORAN man ist, bei wem und welchem Elternteil… usw. (als Kind…)
    Lüge ist (so meine ich… ) (hier…) von den Eltern aus auf Dauer (für das Kind… so geht es MIR zumindest.. bzw. so meine ICH zumindest..) (bis z.B. ins Erwachsenenalter hinein o.ä.) unerträglich. Bitte dies zu respektieren, bedenken und zu berücksichtigen… (alles drei…! 🙂 )

  16. Lykill schreibt:

    Ich war und bin ein unerwünschtes Kind meiner Mutter. Sie hat mir alles sehr detailiert erklärt – Wann es dazu kam, wie und warum. 17, erstes Mal, Antibabypille und Antibiotikum vertragen sich nicht!

    Bis ich ca. 7 Jahre alt war, gibt es sehr viele hochwertige Fotos von mir. Das Geld für die Kamera wäre für die Abtreibung bestimmt gewesen. Nur war ich dem zuständigen Arzt „leider schon zu groß zum abtreiben“.

    Als ich sieben war haben sich meine leiblichen Eltern getrennt und meine Mutter hat direkt geheiratet und zwei weitere Kinder bekommen. „Leider hat sie den Fehler gemacht und mich mitgenommen“. „Eine ewige Belastung und tägliche Erinnerung an den schlimmsten Fehler ihres Lebens“ wie sie gerne betont. Seitdem ich 8 Jahre alt bin werde ich massiv ausgegrenzt um die neue Familie nicht zu stören.

    Ich finde das absolut nicht ok und halte allen beteiligten, sogenannten Erwachsenen massives Fehlverhalten und Lethargie vor, aber ich habe mich damit arrangiert. Ich bin jetzt 28, stehe auf meinen eigenen Füßen und habe mir ohne Hilfe und/oder Unterstützung ein Netzwerk aus lieben Menschen guten Freunden und aufrichtigen Seelen aufgebaut, auf das ich sehr stolz bin.

    Manchmal schmerzt es zwar, wenn ich sehe wie meine Geschwister mit Zuwendung und Aufmerksamkeit überhäuft werden aber ich habe mich damit arrangiert. Und ich gebe meine Liebe weiter… halt nicht an meine direkte Familie.

  17. Meine Mutter hat die Schwangerschaft mit mir bewusst herbeigeführt, weil sie zu Hause raus wollte und unbedingt von meinem Vater geheiratet werden wollte (Ich weiß das, tief innerlich). Aber der Plan misslang, mein Vater war mit seinen gerade mal 19 Jahren überfordert und flüchtete sich in den Alkohol. Bis heute stellt meine Mutter ihn als den Bösen dar, der sie, das arme naive Mädchen, verführt hat… ich habe meinen Vater geliebt, er war der Mittelpunkt meiner Mädchenwelt, und als er sich das Leben nahm, war das so schlimm für mich, dass ich heute noch, nach 33 Jahren, darunter leide.Meine Mutter würde niemals zugeben, dass das damals so war. Ich bin meinem „bösen“ Vater zu ähnlich, ls dass sie mich gernhaben könnte. Leider kann ich das nicht bloggen, weil sie in meinem Blog mitliest undfrühere Arbeiskollegen und Leute hier aus dem Dorf ebenfalls…
    DANKE für deinen Artikel!

  18. Celine schreibt:

    So wahr. Meine Mutter hat mir im Streit schon paar mal gesagt, dass sie es bereut mich nicht abgetrieben zu haben. Ich habe den Respekt vor ihr verloren und lebe auch nur noch zu Hause, weil ich noch zur Schule gehe. Mein Vater ist total fixiert auf meine kleine Schwester und da ich auch nicht sein leibliches Kind bin, ist meine Schwester so das richtige Kind. Meine Eltern erzählen lügen über mich, reden mir ein, ich sei geisteskrank und würde sie umbringen wollen. Ich bin nun 19 Jahre alt und muss sagen: ich bin zwar härter geworden und lasse sie nicht mehr an mich ran, aber ich kann anderen nicht vertrauen. Totaler Einzelgänger, der nirgends reinpasst.

  19. Anne schreibt:

    Liebe Alle,
    auch wenn der Beitrag jetzt schon ein Weilchen her ist, möchte ich doch noch kurz etwas dazu sagen. Ich kann Deine Gefühle ganz gut nachvollziehen. Mein Vater wollte nie Kinder aber meine Mutter hat sich da zu meinem Glück (und dem meines Bruders) durchgesetzt. Meine Mutter hat mir das erzählt, als ich auch mitten in der Pubertät war und ich bin froh, dass ich das weiß. Es hat mir geholfen meinen (depressiven) Vater besser zu verstehen.
    Es ist nicht schön, zu wissen/zu glauben „nicht gewollt zu sein“. Und Eltern können, wenn sie das vermitteln, sehr viel Schaden in dem Gefühlsleben eines Kindes anrichten. Aber ich bin mir aus tiefstem Herzen sicher, dass es für jeden einzelnen Menschen, der auf dieser Welt lebt, einen Grund gibt. Du bist kein Ergebnis der Triebe deiner Eltern. Du bist kein Zufall.

    Du bist ein Wunsch, den Gott sich selbst erfüllt hat. ER WOLLTE DICH!

    Ich wurde an (das kleine Kraftpaket) Gianna Jessen erinnert, die ihre eigene Abtreibung überlebte…

  20. Doreen schreibt:

    Mein Sohn is jetzt 2 Jahre alt. Er war nicht geplant, sogar das Ergebnis einer Affäre, die ich durch ein Abtreibung vertuschen wollte. Einen Tag vor meinem Termin hat mein Herz gesiegt. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dass mein Kind meinen Fehler mit seinem doch erst beginnenden Leben bezahlen sollte. Ich habe alle Karten auf den Tisch gelegt, mich meinen neuen Aufgaben gestellt. Habe an meiner Ehe gearbeitet, die letztlich doh gescheitert ist, dem biologischen Vater auf Wunsch geteiltes Sorgerecht zu gestanden und versucht meinem ‚Nichtwunschkind‘ einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Es war eine sehr, sehr harte Zeit. Vor seiner Geburt hatte ich kaum eine Beziehung zu ihm und grosse Angst, dass ich ihn nicht lieben könnte. Als ihn mir die Hebamme dann aber in die Arme gelegt hatte, spielten die Umstände seiner Entstehung keine Rolle mehr. Es war die beste Entscheidung meines Lebens ihn zu behalten. Ich liebe ihn mehr als mein eigenes Leben. Und so geht es auch den Menschen um ihm herum. Er wurde nie abgelehnt oder weniger geliebt weil er ein ‚Stiefkind‘ ist, weil er aus einer Affäre entstanden ist. Ich werde ihm die Umstände seiner Entstehung nie vorenthalten, aber ich weiss auch, dass er zu dem Zeitpunkt wissen wird, dass er geliebt wird- auch wenn er am Anfang nicht gewollt war. Denn das eine hat mit dem anderen nichts zu tun- auch wenn unsere Gesellschaft dieses Ideal gerne suggeriert.

  21. Oranca schreibt:

    Meiner Mutter wurde vom Arzt gesagt, sie wird nie Kinder bekommen können. Mein Vater wollte auch nie welche. Trotzdem bin ich als „Missverständnis“ und völlig ungewollt entstanden. Das erzählte mir meine Mutter, als ich 15 Jahre alt war und auch, dass es für eine Abtreibung zu spät war. Sie hat aber immer schwere Milchkannen gehoben, als sie in der Molkerei gearbeitet hat. Leider ohne Erfolg. Später bekam ich dann auch zu hören, was sie alles für mich getan hat. Eigentlich nur Dinge, die eine normale Mutter für ihr Kind tut. Sie erzählte auch ständig, dass sie nach mir noch 4 x unter Lebensgefahr abgetrieben hat und es war mir klar, dass ich in ein Heim gekommen wäre, wäre sie gestorben. Das Gefühl, keinen Platz im Leben zu haben, begleitet mich noch heute und hat zu Depressionen geführt.

    • Ich schreibt:

      Auch ich bin ein ungewolltes Kind. Ich hatte dieses Gefühl schon immer, und nach fast 35 Jahren erhielt ich „endlich“ die Bestätigung. Als meine Mutter vor über 14 Jahren starb, war ich nur erleichtert. Das Gefühl nicht dazu zu gehören und gewollt zu sein, zieht sich aber wie ein roter Faden durch mein Leben.

      Dann wurde ich ungeplant schwanger. Ich wollte das Kind nicht. Und dann wurde mir klar, dass ich den Fehler meiner Mutter nicht wiederholen darf.

      Heute liebe ich den kleinen Zwerg über alles. Ich hoffe, ich gebe ihm immer das Gefühl gewollt und geliebt zu sein. Wenn er mich später mal fragen sollte ob er geplant war, sag ich einfach, dass er ein Kind der Liebe ist.

  22. Tina schreibt:

    Ich als vermutlich nicht gewolltes Kind kämpfe seit 37 Jahren mit dem Gefühl, mich nicht gewollt zu fühlen, es aber nicht zu wissen. Meine älteste Schwester hat das gleiche Problem. Nur die Schwester dazwischen ist anders. Mit ihr ist meine Mutter sehr eng, vermutlich, weil sie auch sehr ähnlich sind. In einer Familienaufstellung hat mir „meine Mutter“ (also mein Gegenüber als meine aufgestellte Mutter) gesagt: „Ich hab mein bestes gegeben!“
    Das hat mir damals die Tränen in die Augen getrieben und ich habe seitdem das Gefühl, dass sie sich sehr um mich bemüht. Trotzdem hoffe ich, ich habe eines Tages den Mut, sie zu fragen, ob ich gewollt war. Als Kind spürt man es ohnehin und es macht einfach vermutlich genauso verrückt, es nicht zu wissen.

  23. perlenmama schreibt:

    Hallo,

    wow, ich drücke dich, das sind echt berührende Worte, Danke für diesen Text.

    Aber ich muss sagen, dass ich andere Erfahrungen gemacht habe. Meine Eltern waren SEHR jung als ich mich ankündigte. Ich war definitiv (noch) nicht geplant. Und das war ok so, denn sie haben sich dennoch, trotz aller Schwierigkeiten (noch nicht verheiratet, meine Mama noch keine Ausbildung, wenig Geld, Mini-Wohnung usw) für mich entschieden. Und das zählte für mich. Das war ein echter Liebesbeweis. Ich mochte die Geschichte sogar.

    Denn man kann es doch auch so sehen: Es ist „einfach“ ein Kind zu kriegen wenn alles passt. Aber sich für eines zu entscheiden wenn grad nicht alles passt, sich trotz Widrigkeiten dazu zu entscheiden dieses Kind zu lieben…das ist doch auch ein ultimativer Liebesbeweis. Wieso sollte das traumatisch sein für ein Kind?

    Natürlich hängt viel davon ab WIE man es kommuniziert…mir wurde es z.B. NIE zum Vorwurf gemacht. Es war halt so. Und nen Knacks oder ein Trauma von diesem Wissen habe ich nicht.

    LG
    Janina

    Perlenmama

    PS: Das Buch „Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna“ ist eins meiner Liebsten ❤

  24. Martha schreibt:

    Hallo, ich finde deinen Artikel sehr bewegend. Ich kann mich nicht in dich einfühlen, nicht weil ich nicht Empathisch bin, sondern weil ich es nie erlebt habe. Dennoch ist mein Ansatz ein anderer. Ich würde nicht grundsätzlich sagen, dass man das dem Kind erzählen sollte, bin mir aber auch nicht sicher, ob das Gefühl nicht auch da ist, wenn man es nicht erzählt bekommt. Schon die Schwangerschaft ist eine prägende Phase für Kinder. Und diese Erfahrung (gewissermaßen ein Trauma) der Mutter und des ungeborenen wird immer stattgefunden haben, auch wenn man nichts darüber weiß. Dann sind die Gefühle des nicht-geliebt werdens wahrscheinlich trotzdem ganz tief drinnen da. Verstehen und einordnen kann man sie dann nur nicht. Und man kann es nie aufarbeiten.
    Deshalb würde ich nicht dogmatisch sagen, dass man es nie erzählen sollte.

  25. Martin schreibt:

    Eine wirklich bewegende Geschichte. Du schreibst über Dein Gefühl „… nicht ge- und erwünscht zu sein …“. Ich weiß, es klingt sehr einfach, aber Deine Mutter hat ihr Problem zu Deinem gemacht. Sie war/ist als Mutter offenbar überfordert (wohl mit ein Grund dafür, dass ihr das Sorgerecht entzogen wurde). Und Du trägst dieses schwere Paket mit Dir herum, das belastet, keine Frage.Es ist auf dieser großen, weiten Welt ein (zugegeben für Dich sehr wichtiger) Mensch (Deine Mutter), der so denkt oder zumindest so gedacht hat. Aber was ist mit all den vielen anderen Menschen um Dich herum, denen DU – so wie Du bist – wichtig bist. Deinem Vater, Deinen Geschwistern, Deinen Verwandten und Freuden. Sie sind froh, dass es Dich gibt und dass sie Zeit mit Dir verbringen dürfen. Für sie alle bist Du ein wertvoller Wunsch-Mensch. Vielleicht hilft Dir der Gedanke daran ein wenig über den erfahrenen Schmerz hinweg. Ich wünsche Dir alles Gute.

  26. Funkenmariechen schreibt:

    Auch ich kenne dieses Gefühl leider nur zu gut. Ich habe mir das schon mehrfach von meiner Mutter anhören dürfen, dass ich kein Wunschkind bin. Das letzte mal vor ein paar Jahren zu einem Weihnachtsessen, wo auch Freunde meiner Eltern anwesend waren. Irgendwann habe ich es nicht mehr ausgehalten und sie damit konfrontiert. Leider wie die Reaktion nur noch schlimmer als gehofft. Sie hat es abgestritten, dass jemals zu mir gesagt zu haben aber ich kann sagen es bleibt im Kopf was immer man auch tut und egal wie sehr man versucht perfekt zu sein. Irgendwann, wenn man alt genug ist und über sein Leben nachdenkt, fängt man alles bisherige mit anderen Augen zu betrachten. Ich kann jedem wirklich nur davon abraten.

  27. JJ schreibt:

    Kenne ich nur zu gut.
    Meine hat es mir gesagt um mir weh zu tun.
    Ich hasse sie dafür. Aber mittlerweile bin ich selbst Mutter und kann sie nur noch mit Missachtung strafen.
    Wie kann man sowas nur sagen!

  28. Beate schreibt:

    Ich wäre auch abgetrieben worden, wäre das mit den Abtreibungen damals so gewesen wie heute. Aber ich lebe gerne und bin dankbar für mein Leben. Meine Mutter war damals jung und verzweifelt. Auch wenn sie mich nicht will/wollte, bin ich dankbar für mein Leben und das meiner Kinder! Aber ich finde es furchtbar, wie viele Kinder heutzutage nicht leben dürfen. Das Leben ist so kostbar! Keine Frau sollte zur Mörderin ihres eigenen Kindes werden.

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