Wenn Kinder über das Sterben nachdenken. Teil I (ich bin mir sicher, es folgen weitere)

Jetzt, wo die Kinder im Bett sind und so langsam Ruhe einkehrt, fällt mir wieder ein, wie meine Große (4) mich heute morgen völlig unvermittelt fragte: „Mama, wir als Familie sterben alle zusammen, gelle?“

Ich saß am Steuer meines Wagens und war mir nicht sicher, ob ich richtig gehört hatte. Deshalb fragte ich noch einmal nach. Aber nein, ich hatte richtig verstanden. Es war 6 Uhr 50 – also wirklich noch richtig richtig früh – und für so aufgeschlossen ich mich halte, diese Frage konnte ich beim besten Willen nicht beantworten. Ich fragte deshalb einfach nur nach, ob sie mit zusammen „gleichzeitig“ meine? Und sie bejahte.

Das Thema war dann auch so schnell vorbei, wie es gekommen war. Aber in mir hinterlässt es einen Hauch von Schmerz. Bisher hatte ich nur meine Rolle als Kind gesehen, nämlich, dass ich irgendwann Waise werde. Nicht aber, dass ich einmal welche zurücklassen würde. Dieser Gedanke ist neu.

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Teil II….

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8 Antworten zu Wenn Kinder über das Sterben nachdenken. Teil I (ich bin mir sicher, es folgen weitere)

  1. dieschlimmehelena schreibt:

    Ja. Und das tut weh. Die eigene Endlichkeit wird durch Kinder so plastisch.

  2. Katharina schreibt:

    Ja. Und ich bete, dass es in dieser Reihenfolge geschehen darf. Wenn Eltern ihre Kinder beerdigen müssen, das ist das Schlimmste überhaupt, egal in welchem Alter sie sind.

  3. Anna Luz schreibt:

    Ach, ach, ach, wie ich das kenne. Und du hast recht: es kommt immer wieder. Bei mir natürlich mit Anlass ein bisschen verschärfter – ich verbloggte das ja auch schon mehrfach. Und dein Gefühl kenne ich so gut. Ich versuche immer, mir dessen bewusst zu bleiben, dass es für die Kinder insgesamt offenbar selbstverständlicher ist (noch), als für mich. Irgendwann setzt dieser Effekt ein, dass Mensch sich für unsterblich/unverwundbar hält. Davor ist das Weltbild auf eine Art intakt und echt: wir werden geboren, wir sterben. Insofern ist das Gespräch darüber meist nicht so schwer zu führen, wie ich es mir vorher ausdenke. Aber schön geht anders. Liebe Grüße!

    • vomwerdenzumsein schreibt:

      Liebe Anna,
      ich habe deine Beiträge dazu gelesen und sie haben mich tief berührt. Ich habe ja dazu auch schon einmal kommentiert. Tatsächlich beobachte ich bei meinen Kindern (aus Erfahrung) eine für uns Erwachsenen ungewohnte Natürlichkeit, was das Thema Tod angeht. Ich wünsche mir sehr, dass meine Kinder diese Natürlichkeit bewahren können und versuche, keine Schwere in dieses Thema zu bringen. Trauer ja, Schwere nein. Das kommt dann von ganz alleine. Das ist ein sehr komplexes Thema, aber ich denke, dass es sehr bereichernd ist, sich auf die Kindersicht dazu einzulassen. Herzliche Grüße, Tina

  4. Julia schreibt:

    Nach dem Besuch bei der Uroma (89 aber noch richtig fit) sagte meine Tochter beim Wegfahren fast heulend „Vielleicht stirbt die Oma ja bald.“ Kloß im Hals – und die bittere Erkenntnis, dass es eigentlich wünschenswert ist, wenn alle in der „vorgesehenen Reihenfolge“ gehen…

  5. Pingback: Wenn Kinder über das Sterben nachdenken (Teil II) | WerdenundSein

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