Selbstverteidigung in der Warteschlange an der Kasse

Es gibt Leute hinter einem an der Kasse, die regen einen durch bloße Anwesenheit auf. Als wenn das nicht schon genug wäre, sind die auch noch so militant anwesend. Sie rücken einem auf die Pelle und versucht man ihnen zu entkommen, rücken sie jeden Millimeter nach, den man nach vorne geflüchtet ist. Dabei habe ich im Laufe meiner Einkaufskarriere verschiedene Typen feststellen können. Es gibt die Drängler, die meinen, es geht schneller, wenn man ein wenig anschiebt. Dann gibt es die Kuscheltypen, die einfach auf Körperkontakt stehen. Und es gibt die Begrenzungstypen, die nicht in der Lage sind, ihren Einkaufswagen im freien Raum zu parken. Nein, er muss auf Kontakt mit dem Vordermann stehen und wird gnadenlos nachgeschoben, sobald man einen Schritt ins Freie geht.

Im Laufe der Zeit habe ich einiges ausprobiert und festgestellt, böse gucken allein hilft nicht. Gut, bei mir nicht. Vielleicht aus demselben Grund, warum mich ständig alte Herren in Parklücken einweisen, obwohl ich ein voll ausgestattetes Auto mit Parkassistent habe und darüber hinaus auch ohne diesen Schnickschnack kontaktfrei einparken könnte. Da ich mich auf meine reine Außenwirkung also nicht verlassen kann, habe ich drei Methoden entwickelt, die sich bewährt haben. Sie tun gut, funktionieren einwandfrei und ich möchte sie euch dringend ans Herz legen, falls ihr  – der Detonation nahe – in einer Warteschlange irgendeines Geschäftes wartet.

1. Ansprechen:

Als meine älteste Tochter noch im Maxi-Cosi-Alter war, hatte ich sie vorne auf den Einkaufswagen gestellt. Eine ältere Frau schaute mir über die Schulter und flirtete mit meiner Tochter, die das allerdings eher peripher interessierte. Die Frau drückte ihre großen weichen Brüste in mein Schulterblatt und schnaufte mir in mein rechtes Ohr. Ich rückte einen Schritt nach vorne, die Dame kam mit. Ich kochte. Und ich rückte wieder nach vorne (gehörte damit kurzfristig zu der Gattung Begrenzungstyp), drehte mich um und forderte kaltlächelnd: „Würden Sie bitte einen Schritt zurücktreten, sie sind mir zu nah!“ Ich schwör’s euch, das ist einer der Top20-Momente meines Lebens. Das war wie ein Befreiungsschlag. Sowas wollte ich schon immer mal sagen. Vollgepumpt mit Mütterhormonen und Stilltee ging mir das leicht über die Lippen und es war großartig. Und ein voller Erfolg. Die Dame murmelte ein schnippisches „Tschuldigung“ und rückte ab.

2. Umdrehen:

Wenn mir jemand in den Nacken atmet und immer wieder nachrückt, drehe ich mich mittlerweile um und gucke einfach. Nasenspitze an Nasenspitze. Das mögen auch die hartnäckigsten Kuscheltypen nicht. Profitipp: vorher mal unauffällig umdrehen und Sympathie und Gesundheit checken.

3. Laut „Au!“ schreien:

Spätestens nach dem zweiten Anrempler durch einen Einkaufswagen verziehe ich schmerzverzehrt das Gesicht und rufe ganz laut: „Au!!“ Dann reibe ich mir auffällig den entstehenden blauen Fleck an meinem Körper und schaue böse (oder was ich dafür halte). Wer Nerv hat, kann auch die Fußballernummer durchziehen und sich dramatisch auf den Boden werfen. Hilft bestimmt auch.

Also, traut euch. Und habt viel Spaß dabei! 🙂

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5 Antworten zu Selbstverteidigung in der Warteschlange an der Kasse

  1. Sonja schreibt:

    Sehr hübsch! Fast noch mehr als Drängler nerven mich persönlich ja auch Bummler, Menschen, die erstmal ALLES umständlich einpacken und dann erst völlig perplex anfangen, nach ihrem Portemonnaie zu suchen. Ich habe das jetzt schon mehrfach mit einem unschuldigen „Sind Sie auch immer so überrascht, wenn Sie auf einmal zahlen müssen?“ kommentiert – macht nix schneller, hilft aber der Seele.

    • vomwerdenzumsein schreibt:

      Au ja, wenn ich mich in der Warteschlange ausgetobt habe und mir dort langweilig wird, probiere ich es mit dieser Frage – Gelegenheiten dazu bieten sich ja quasi ständig. Das werde ich aber daheim erst vorm Spiegel üben. Mit unschuldigen Blick, den Kopf leicht schief gelegt, frisch blondiert…. Kommt bestimmt super. Ach, ich bin jetzt schon ganz aufgeregt….

  2. ulf schreibt:

    Mich anzurempeln traut sich nie jemand. Vielleicht sehe ich zu gefährlich aus. 😀

  3. brummel1 schreibt:

    Tip 2 muss ich unbedingt ausprobieren inkl dem Profitip. Ab und an ist ja nen netter Kerl hinter einem. Vielleicht klappts ja mal so, wenn ich normal in Alltagskluft rumlaufe und nicht voll aufgebrezelt für die Fetischbar 😉 (Ich nehme an ein Breath-Mint ist zu empfehlen? 😀 )

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