Zufällige Wegbegleiter

IMG_20131127_130025Seit zweieinhalb Monaten arbeite ich wieder und fahre Montags bis Freitags immer denselben Weg in die Arbeit. Jeden Morgen stehe ich in Rosenheim an der gleichen roten Ampel und warte darauf, links abbiegen zu dürfen. Heute Morgen wurde mir bewusst, dass ich fast an jedem dieser Tage an dieser Ampel zum einen in erster Reihe stehe und zum anderen fast immer neben demselben Radfahrer. Ich kenne ihn nicht, weder seinen Namen noch seine Hobbies, er scheint sportlich zu sein und einen gewissen Biss muss er auch besitzen, denn heute in der Früh war es -1 Grad kalt, da macht Fahrradfahren nicht wirklich Spaß. Bei dem Radfahrer handelt es sich um einen Mann, da bin ich mir sicher. Ansonsten weiß ich von ihm nichts. Und dennoch stehen wir viele Tage nebeneinander an dieser Ampel. Auf einer zufälligen, sich ständig wiederholenden Art und Weise sind wir Wegbegleiter und ich finde diesen Gedanken faszinierend.

Als die Ampel grün wurde und ich weiter so dahin fuhr, dachte ich über weitere Wiederholungen in meinem Alltag nach. Und tatsächlich, da gibt es mehrere. Die Hundebesitzerin, die ich letztes Jahr fast jeden Morgen vom Auto aus sah, als ich die Große in den Kindergarten fuhr. Im Laufe des Jahres hatte dieses Treffen unbekannter Art eine gewisse Sympathie erlangt.

Wenn ich morgens bei der Arbeit ankomme, stehen sehr häufig dieselben zwei Mitarbeiter der Nachbars-Firma vor der Tür und rauchen. Das ist nett, mittlerweile ist aus dem einfachen „Hallo“ ein herzlichen „Grias di/Griasts eich“ geworden.

Mir fällt auch regelmäßig ein fliederfarbender Toyota, der morgens meinen Weg kreuzt, auf. Immer an derselben Stelle, ich biege rechts ab und er in meine Straße. Das ist doch ein wahnsinniger Zufall. Dabei handelt es sich um Sekunden, damit das so hinhaut. Mir ist der Wagen noch nie vorher oder nachher aufgefallen, wenn, dann immer an dieser Stelle.

Wieviele Menschen einen wohl jahrelang begleiten, ohne dass man Notiz von Ihnen nimmt? Und dennoch steht man gemeinsam an der Ampel oder fährt an vielen Tagen aneinander vorbei. Und irgendwie hat diese immer wiederkehrende Wiederholung etwas beruhigendes an sich. Ein Ritual, das eine zufällige Sicherheit vermittelt.

Für die nächsten Tage habe ich mir vorgenommen, aufmerksamer durch die Welt zu reisen (also in die Arbeit) und die ich „kenne“ werde ich grüßen. Wenn man sich schon begleitet, dann kann man sich auch kurz zunicken, zuwinken oder was auch immer. Einfach nur ein kleiner Gruß „Hey, ich weiß, dass du da bist!“

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5 Antworten zu Zufällige Wegbegleiter

  1. Mama arbeitet schreibt:

    Geht mir auch gelegentlich so, obwohl ich nicht mehr pendle. Und dann denke ich, dass durch so einen Gedanken wahrscheinlich der Film „Und täglich grüsst das Murmeltier“ entstanden ist. Kennst du, mit Bill Murray? Falls nicht, gucken. Der ist urkomisch.

  2. Kerstin schreibt:

    Klingt nach einem guten Vorsatz für das Neue Jahr, der einen weiter bringt als die so klischeebehafteten.

    • vomwerdenzumsein schreibt:

      Ich halte nichts von guten Vorsätzen für neue Jahre. Von daher ist der gerade anstehende Jahreswechsel eher zufällig 🙂 Das Problem solcher Vorhaben ist ja meist, dass einen der Alltag schneller wieder hat, als einem lieb ist. Aber für ein paar Tage schaffe ich das. Ganz sicher.

  3. Pingback: 12 von 12 – Mein erstes Mal | WerdenundSein

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