„Mama, warum warst du wahnsinnig, als du uns bekommen hast?“

Im Netz wird das ein oder andere Süppchen heißer gegessen, als es gekocht wurde – das habe ich mittlerweile gelernt. Ich setze mich seit etwa zwei Jahren verstärkt mit dem Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf auseinander, sei es mit der Initiative Familie 2.0 oder in einem Netzwerk von berufstätigen Müttern oder vielleicht bald im Gemeinderat vor Ort. Auch in meinem Blog ist das Thema Vereinbarkeit immer wieder Gegenstand von Blogposts.

Vereinbarkeit ist eng verknüpft mit Emanzipation. Für mich bedeutet Emanzipation nicht, dass Männer und Frauen gleich sein müssen. Auch nicht, dass wir alle dieselben Aufgaben übernehmen oder gar strikt 50/50 teilen müssen. Emanzipation heißt für mich, dass unsere Bedürfnisse dieselbe Wertstellung erfahren. Dazu bedarf es noch nicht einmal des Wortes Emanzipation – das ist doch eigentlich ganz normal!? Sollte es…

Was hat das jetzt mit der heiß gegessenen Internet-Suppe zu tun? In den letzten Wochen geht mir die Berichterstattung zur Vereinbarkeit zunehmend – Entschuldigung – auf den Zeiger. Besonders die FAZ hat darin nun eine neue scheinbar unerschöpfliche Traffic-Quelle gefunden (Links siehe unten).  Dazu gibt es bereits von Dr. Mutti und Mama notes lesenswerte Antworten und ich möchte dazu nur einen kleinen Aspekt ergänzen: Hat schon mal irgendwer darüber nachgedacht, was all das mit unseren Kindern macht? Was müssen unsere Kinder später einmal von uns denken, wenn sie all das lesen und verstehen? Wie kommen Schlagzeilen wie „Man muss wahnsinnig sein, heute ein Kind zu kriegen“ bei Pubertierenden an? Zu einem Zeitpunkt, wo deren ganze Welt sowieso Kopf steht und alles unsicher ist? Und warum jammern und heulen alle Mütter so rum?

Mir geht dazu so vieles durch den Kopf und ich bringe es nicht strukturiert zu Papier. Wenn Bedürfnisse alle die gleiche Wertstellung erfahren würden, dann wäre diese Berichterstattung undenkbar. Dann müsste man nicht Mütter denunzieren, weil sie Bedürfnisse anmelden, die sie vor einigen Jahren vielleicht noch nicht hatten. Ich wollte meine Kinder, von ganzem Herzen. Es ist das Schönste, was ich je erlebt habe und gleichzeitig das Anstrengendste. Muttersein bringt mich auf allen Gefühlskanälen an meine Grenzen, positiv, wie negativ. Es gibt Momente, wo die Große noch trotzt und die Kleine schon und ich sämtliche Hormone verfluche, die es soweit haben kommen lassen. Und es gibt diese Momente, die wunderschön sind und den ganzen Tag andauern. Elternsein ist kein Ponyhof und dass darüber hinaus Vereinbarkeit so schwierig ist, damit habe ich nicht gerechnet. Dennoch bin ich davon überzeugt: „Da geht noch was!“ Ich befürchte jedoch, dass in der allgemeinen Wahrnehmung nur noch „Jammerfrauen“ hängen bleibt und das ärgert mich.

06.01.2014: Man muss wahnsinnig sein, heute ein Kind zu kriegen

08.01.2014: Ihr wollt Kinder? Dann kriegt sie doch!

11.01.2014: Ruhe, ihr Jammer-Frauen!

22.01.2014: Achtung! Kinderkriegen! Mütter! Hört auf zu heulen. Kinderkriegen ist keine Krankheit! Es sind nicht die Kinder, die uns an den Kragen wollen.

Dieser Beitrag wurde unter Familie, Vereinbarkeit abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu „Mama, warum warst du wahnsinnig, als du uns bekommen hast?“

  1. Mamatanzt schreibt:

    Liebe Tina, danke für Deinen Artikel, er spricht mir aus der Seele. Ich verstehe diese Aufgeregtheit nicht. Muss immer alles ein Drama oder Wahnsinn sein? Geht es heutzutage nicht mehr ohne Steigerung bis zum Superlativ? Mir ist dieses Marktschreierische unangenehm, ganz davon abgesehen, dass so komplexe Thema wie Gleichberechtigung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sich nicht durch möglichst viele Frage- und Ausrufezeichen am Ende der Sätze lösen lassen.

    • vomwerdenzumsein schreibt:

      Liebe Mamatanzt,
      danke für deinen Kommentar. Die Frage ist, was macht das Thema Gleichberechtigung und Vereinbarkeit so komplex? Eigentlich ist doch alles ganz einfach, ein bißchen Respekt hier, ein wenig über den Tellerrand geschaut da. Eigentlich…
      LG, Tina

      • Mamatanzt schreibt:

        Genau das ist es! Mit Rücksicht und Offenheit wäre so viel gewonnen. Es wird zuviel geurteilt, deswegen landen Mütter in der Rechtfertigungsfalle. Das Arbeits- und Familienmodell zu finden, das zum eigenen Leben passt, ist eine sehr individuelle Aufgabe, die nur die betreffende Familie etwas angeht. Aber alle reden mit. Die Mutter arbeitet früh wieder auf einer vollen Stelle? Karrieregeil. Sie bleibt (länger) zu Hause? Heimchen. Solange es diese Etiketten gibt, wird es für Frauen nicht leichter werden.

  2. mom schreibt:

    Mich stört sehr, dass „Kinderkriegen“ oft als nationale Pflicht verkauft wird und in einem Atemzug mit „Rentesicherung“ und allgemeinem „Argh“ genannt wird. Das hat so etwas Berechnendes, und außerdem wird da nicht das Kinderkriegen und -haben an sich positiv bewertet, sondern lediglich die spätere Arbeitskraft der Kinder in ihrer Rolle als Rentensicherer von Morgen.
    Abstoßend. Wirklich.

  3. Katharina schreibt:

    Und ein weiterer Appell, der sich nur an die Frauen richtet.

    Vereinbaren heisst immer auch teilen. Dieser Aspekt wird bei der FAZ-Debatte – und leider auch im vorliegenden Artikel – völlig ausgeblendet!

    Solange beim Thema „Kinder kriegen und aufziehen“ die Väter nicht vorkommen, so lange werden Frauen alleine weiter wurschteln müssen und so lange werden sie darüber lamentieren, dass diese Verantwortung verdammt schwer alleine zu tragen ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s