Mama, wie finde ich einen Papa?

Eben führte ich eines der lustigsten Kindergespräche, das ich mir überhaupt vorstellen kann. Völlig unverhofft und dabei so witzig, wie man es sich nicht ausdenken kann.

Heute Abend fuhr ich mit zwei völlig überdrehten und übermüdeten Kindern im Auto (nein, das ist kein Widerspruch), als mich die Große (4) unvermittelt fragt:

„Mama, wie hast du eigentlich vorher geheißen?“

Ich ersparte mir die Gegenfrage „Vor was?“, war zu dem Zeitpunkt schon reichlich amüsiert und antwortete: „Tina“

Die Große genervt: „Neihein. Ich meine, als du ein Kind warst.“

„Ja, Tina. Du behältst deinen Namen auch, wenn du erwachsen bist.“

„Auch, wenn ich Mama bin, stimmt’s Mama?“

„Genau.“

Stille. Ich hörte es rattern.

Dann: „Äh, Mama, wie krieg ich eigentlich einen Papa?“

Ich musst wieder lachen. Und Autofahren.

„Du musst dir einen suchen!“

„Aber ich finde keinen. “

„Doch, du findest einen. Irgendwann läuft dir einer über den Weg.“

Trotzig: „Nein!“ Dann hoffnungsvoller: „Und wie soll das gehen?“

„Schau, der Jonas zum Beispiel ist doch ganz nett.“

„Ja, aber ich will so einen wie den Papa.“

„Hm. Das haut nicht hin.“

Weinerlich: „Aber ich mag so einen haben wie den Papa.“

Pause. Die Stimmung sank.

Dann ungeduldig und unmutig: „Muss ich dann den ganzen Tag suchen?“

„Meine Große, du wirst einen finden, da bin ich mir ganz sicher. Bald gehst du in die Schule, dann machst du eine Lehre, dann arbeitest du mal eine Zeitlang und irgendwann findest du jemanden.“

„Und woher weiß ich, dass das kein Saubär ist?“

Wie kommen Vierjährige nur auf solche Fragen? Das gibt es doch gar nicht. Blöd ist die Frage nicht, doch von einer Vierjährigen hat sie einen ganz besonderen Humor. Wobei sie das überhaupt nicht lustig meinte. Sie meinte das todernst und war in Sorge.

„Meine Große, das funktioniert so: Irgendwann triffst du jemanden, den findest du nett. Dann verbringst du einige Zeit mit ihm. Und wenn du feststellst, dass er ein Saubär ist, dann suchst du dir jemand anderen.“

„Aber ich will niemanden andern. Ich mag den Papa ganz gern.“

„Aber den kannst du nicht haben. Und ich bin mir ganz sicher, dass du jemanden finden wirst.“

Stille. Einsetzendes Schluchzen. Dann verzweifelt: „Aber ich will nirgendwo anders einziehen!!!“

Wie gesagt, ich saß am Steuer meines Wagens. War zutiefst gerührt und belustigt und meinte: „Dann bleibst du einfach bei uns.“ Schluckte schwer und betete gleichzeitig zum Himmel, dass dies ein Bluff-Versprechen bleiben mag.

Aber das reichte der Großen nicht. „Meine Schwester. Die find ich auch ganz nett!“

„Die bleibt dann auch bei uns!“

Gute Gespräche finden bei uns oft im Auto statt

 

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