Wiederkehrende Albträume

Als Kind hatte ich zwei Albträume, die sich in regelmäßigen Abständen wiederholten. Ein Traum war ein klassischer Fiebertraum, den ich grundsätzlich hatte, wenn ich krank wurde. Der Traum war ein Startschuss: Für eine Lungenentzündung, Röteln, Windpocken und was ich sonst noch so als Kind hatte. Vor nicht allzu langer Zeit träumte ich ihn sogar noch als Erwachsene und wusste im gleichen Moment, dass ich krank werden würde. Es ist ein lauter Traum, es dröhnt und brummt und tut körperlich weh.

Den zweiten Traum sehe ich als Verlust-Traum. Ich träumte, ich stünde im Flur der Wohnung, in der ich als Kind lebte, es war dämmrig. Ein Wolf biss mich in die Hand und ließ mich nicht mehr los. Es war ein Unendliche-Geschichte-Wolf, schwarz und böse, mit rot glühenden Augen. Er ließ meine Hand nicht mehr los und ich rief nach meiner Mutter. Je nach Ausprägung des Traumes hörte sie mich einfach nicht oder ich war heiser und war deshalb nicht zu hören. Aus diesem Grund mag ich bis heute keine Wölfe und auch keine Huskies. Wenn mich im Film eine solche Wolf-Darstellung überrascht, kann ich gewiss sein, in der darauf folgenden Nacht von diesem Traum heimgesucht zu werden.

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Ich träume viel und intensiv, immer wieder schrecklich, so dass ich Laute von mir gebe und aufschrecke. Manchmal bin ich so in dieser Furcht des Traumes gefangen, dass ich mich ohne Licht nicht aus dem Bett traue, obwohl ich an für sich kein ängstlicher Mensch bin.

Diese wiederkehrenden Träume hielt ich für einen Einzelfall. Doch nun stelle ich fest, meine Große (4) hat sie auch. Vor einigen Wochen kam sie aufgelöst mitten in der Nacht zu mir ans Bett und erzählte, sie hätte einen schlimmen Traum gehabt. Ich beruhigte sie und wir schliefen gemeinsam weiter. Am nächsten Morgen – schon auf dem Sprung – erzählte sie mir unvermittelt von ihrem Traum: „Mama, da war ein Loch und da sind wir reingefallen und dann hat man uns auseinander geschnitten. Man wollte, dass wir tot sind.“

Puh. Ich stand im Hausgang und war ein wenig fassungslos. Woher hatte sie solche Träume? Sie schaut kaum Fernsehen, wenn dann bin ich mit dabei, wo kommen diese Bilder nur her?

Nachdem ich die Kinder am Abend ins Bett gebracht hatte, hörte ich die Große in ihrem Bett verzweifelt schluchzen. Ich ging hin und fragte, was los sei. Sie erklärte mir: „Mama, immer wenn ich die Augen zu mache, träume ich diesen Traum!“

„Den von heute Nacht?“

„Ja. Wir gingen über eine grüne Wiese. Dann sind wir in ein Loch gefallen, das haben wir nicht gesehen, weil es versteckt war. Und als wir in dem Loch waren, hat man uns auseinandergeschnitten.“

„Dich und mich?“

„Nein, uns alle! Man wollte, dass wir tot sind!“

Mir lief eine Gänsehaut über den Rücken. Der Traumfänger hatte offensichtlich seine Wirkung verfehlt. Diesen hatte ich vor Wochen an ihr Bett platziert, weil sie da schon über schlechte Träume klagte, aber so, ähm, krass waren sie bisher nicht.

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Ich versuchte sie zu beruhigen, doch sie sagte, sobald sie die Augen zu mache, sähe sie diesen Traum vor sich. Sie konnte nicht schlafen und nichts schien zu helfen. Ich überlegte und kam auf die Idee, zu versuchen, diese grüne Wiese in etwas Positives zu verwandeln.

Ich sagte ihr, wir würden versuchen, den Albtraum zu vertreiben und bat sie, mir zu vertrauen und die Augen zu schließen. Sie nahm meine Hand und schloss die Augen. Ich begann: „Siehst du die grüne Wiese?“ Sie nickte.

Dann baute ich mit ihr gemeinsam ein wunderschönes Schloss auf das böse Loch. Das Schloss war weiß und strahlend und glitzerte in der Sonne. Es hatte zwei Türme, die waren silbern und ganz oben endeten die zwei Türme in zwei goldenen Kugeln. In dem Schloss lebten wir alle und sie und ihre kleine Schwester waren kleine Feen, die zaubern konnten. Es gab einen riesigen Garten, mit wunderschönen, wohlriechenden Blumen und vielen bunten Schmetterlingen. Ich fragte sie zwischendurch immer wieder, ob sie all das sehen würde und sie lächelte und nickte. Ich malte mit ihr noch einen Abenteuer-Spielpalz in den Garten und hinterließ sie mit den Worten: „Was du jetzt spielst und was du nun zauberst, das träumst du jetzt!“

Tatsächlich wirkte das. Sie schlief ein und die folgenden Wochen musste ich ihr zum Einschlafen diese Geschichte erzählen, bis sie irgendwann meinte, sie brauche das nicht mehr.

Heute Nacht träumte sie wieder schlecht. Sie erzählte mir, es wären zwei Träume gewesen. Der erste handelte wieder von Löchern. Wieder sind wir alle hinein gefallen, mit dem Unterschied, dass wir uns anschließend im Wasser befanden. Wir schwammen und schwammen, kamen aber nicht hinaus. Im zweiten Traum waren wir in einem riesen großen Haus, trafen einen Mann und fragten ihn um den Weg. Er schickte uns rechts herum, dabei wäre links richtig gewesen. So irrten wir durchs Haus und wir fanden den Ausgang nicht.

Ich bin gespannt, ob sie heute Abend einschlafen kann. Wenn nein, werde ich aus diesem furchtbaren Haus irgendetwas Wundervolles mit ihr malen und hoffen, dass es dann für sie an Furcht verliert.

Ich finde es merkwürdig, dass eine Vierjährige schon so grausig träumen kann, besonders das Zitat „Man wollte, dass wir tot sind“ läuft mir hinterher.

Haben eure Kinder auch solche Träume? Vielleicht sogar wiederkehrend? Was macht ihr, damit es euren Kindern besser geht? Was hilft ihnen? Bin sehr gespannt auf eure Erfahrungen.

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6 Antworten zu Wiederkehrende Albträume

  1. Bienenstube schreibt:

    Mein Sohn Damian (er ist nun 5 Jahre) hatte ebenfalls eine zeitlang schlimme Träume, ich habe daraufhin angefangen Abends schon 1-2 Stunden bevor er ins Bett geht soviel Ruhe wie möglich rein zu bringen und mit ihm lustige Geschichten gelesen. Habe ihm ein kleines Stofftier geschenkt das er in der hand halten kann und meinem Sohn erzählt das es ein Zaubertierchen sei, das ihn in seine Träume begleitet und dafür sorgt das er schöne Träume hätte und schlechte Träume mit dem Tierchen ganz schnell verlassen kann, bei ihm hat es dann sehr schnell geholfen und er schläft wieder besser.

  2. was mein kind träumt, kann es mir noch nicht erzählen. aber auch ich hatte als kind so zwei-drei wiederkehrende albträume. in einem musste ich aus irgendeinem grund ins gefängnis, in dem anderen sah ich meinen opa vor mir, rief nach ihm aber er hörte mich nicht und verschwand. ich hab es quasi so gemacht, wie du mit deiner tochter: mir alternative enden überlegt, durchgespielt und mit in den traum genommen. die erfolgsquote war 50/50, aber ich weiß, es war ein sehr stärkendes gefühl, “einlfuss” auf diese träume nehmen zu können!

    • vomwerdenzumsein schreibt:

      Stark, dass du als Kind für dich eine solche Lösung gefunden hast.

      Es soll ja Leute geben, die es im Traum – also quasi live – schaffen, Einfluß auf den Ausgang ihres Traumes zu nehmen. Das finde ich sehr faszinierend. Das ist dann mal was für später, wenn die Kinder größer sind.

  3. Pingback: Träume, keine Schäume.

  4. Heidi schreibt:

    Ich habe als Kind selber immer wieder von Feuer geträumt das mich bedroht. Meine Mutter hat dann irgendwo gelesen, dass man Kinder ihren bösen Traum malen lassen soll (um das was dahinter steckt zu verarbeiten). Bei mir hat es geholfen. 🙂

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