Die Renten sind sicher …wertlos für Mütter

Vor ein paar Monaten plante ich einen Blogbeitrag darüber, wie sich die Rente berechnet und wie viel sie in x Jahren wert ist. Ich hielt gerade meine Renteninformation 2012 in den Händen und dachte mir: „Hey, das schaut richtig gut aus!“ Zu dem Zeitpunkt war ich seit zweieinhalb Jahren in Elternzeit und war ernsthaft positiv überrascht.

Nun. Vor ein paar Tagen ist meine Renteninformation für das Jahr 2014 gekommen. Das ist jetzt kein Schreiben, das man ungeduldig noch am Briefkasten aufreißt und so legte ich den Brief erst einmal auf die Seite. Gestern machte ich den Fehler, kurz vor dem Zubettgehen das Schreiben zu öffnen. Mich traf fast der Schlag, nach zwei Jahren fast 470 Euro Unterschied in der voraussichtlichen monatlichen Rente. Nach 4,5 Jahren Elternzeit erwartet mich eine monatliche Rente in Höhe von 858,51 Euro. Seit Oktober 2013 arbeite ich wieder, Teilzeit 20 Stunden und ich wage zu bezweifeln, dass sich meine voraussichtliche Rente in den nächsten Jahren deutlich steigern wird.

Wieviel ist eine Rente in 30 Jahren wert?

Nun verhält es sich mit Geld ja so: 858,51 Euro sind in 30 Jahren keine 858,51 Euro mehr wert. Unterstellt man eine Inflation von 2% und zinst den Wert auf 2044 (der Beginn meiner Regelaltersrente) ab, dann bleiben von den 858,51 Euro gerade einmal 473 Euro* übrig. [Hier bitte hysterisches Lachen einfügen.]

Aber ist nicht schlimm. Ich bin ja verheiratet und wir werden füreinander sorgen, schließlich habe ich und tue es noch, einen Großteil der Kindererziehung übernommen. Scheidungsrate? Nein, das betrifft mich nicht, ja, die Statistiken sehen nicht gut aus, mittlerweile wird jede zweite Ehe geschieden, aber nein, betrifft mich nicht, hey 50:50. So seltene Situationen wie Berufsunfähigkeit des Ehemanns oder Schlimmeres lassen wir an dieser Stelle ebenfalls unerwähnt.

Die Politik soll’s richten

Ich will gar nicht darauf hinaus, dass jede Frau Vollzeit arbeiten soll oder dass der Staat entsprechenden finanziellen Ausgleich schaffen muss. Jede Familie sollte das Modell wählen, welches für sie gut tut. Aber dann bitte sehenden Auges! Eine Lösung könnte sein, dass aus dem Gehalt des Mannes in eine private Rentenversicherung für die Frau eingezahlt wird.

Die Politik kann meines Erachtens nur Freiräume für Eltern schaffen. Das heißt für mich, dass genügend Kinderbetreuungsplätze mit ordentlichen Öffnungszeiten vorhanden sind. Nicht, damit Mütter mehr arbeiten können, sondern damit Eltern! – Plural, beide, unabhänig vom Beziehungstatus – flexibel agieren, so dass sie sich Kinderbetreuung und Berufstätigkeit teilen können. Damit alle etwas davon haben: Väter, Mütter, die Kinder, aber auch die Arbeitgeber.

Ich finde es sehr traurig, in einer Zeit zu leben, in der gut ausgebildete Frauen ihre Jobs kündigen, weil es sich nicht lohnt, dass sie arbeiten und es zum Kostenfaktor wird, wenn „Frau arbeitet“.

Manchmal denke ich, wir sind bezüglich der Vereinbarkeit immer noch steinzeitlich unterwegs. Und ich glaube immer mehr, dass die Politik daran nicht die größte Schuld trägt. Solange Vereinbarkeit ein Frauenthema bleibt, sehe ich langfristig keine Fortschritte.

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*Wer Spaß daran hat, kann das mit folgender Formel nachberechnen cₐ= c₀ * (1+i)ᵃ oder den Service der Deutschen Rentenversicherung in Anspruch nehmen.

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8 Antworten zu Die Renten sind sicher …wertlos für Mütter

  1. stefanini schreibt:

    Also gefallen tut es mir nicht, aber es ist immer wieder wichtig, darauf aufmerksam zu machen, daher der “Gefällt mir”-Klick.

  2. minulinu schreibt:

    Verdammt, ich bin auch dankbar, dass Du darüber geschrieben hast! Ich bin fürchterlich schlecht im selber rechnen (mein Kopf gibt es wirklich nur bedingt her) und bin darauf angewiesen, den Argumentationen anderer in diesen Bereichen folgen zu können. Wie meine Bescheide aussehen, brauche ich niemandem erzählen (Studiert mit langer Unterbrechung wegen Kind bis 2007, erst seitdem gearbeitet, jetzt wieder Totalausfall seit 2012…dabei habe ich so gut wie nie Urlaub gemacht, gefaulenzt, in den Tag hinein gelebt, pipapo).

    DANKE! und: SCHEISSE! Ich bin es soooo leid, von einer Abhängigkeit in die nächste zu schaukeln!

    Minusch

  3. Chris schreibt:

    Hut ab,mein klasse Beitrag der mal wieder zeigt wie der hauptsächlich erziehende Elternteil übers Ohr gehauen wird.
    Ich Teil den Beitrag mal fleißig…
    Lieben Gruß
    Chris

  4. kleinwirdgross schreibt:

    Danke dafür. Ich habe heute meinen Bescheid erhalten und der ist auch schon gefallen nach 3,5 Jahren Elternzeit :-(.

  5. Kerstin schreibt:

    Danke für die Rechnung. Werde meinen Briefkasten erst mal nicht öffnen 😉
    Sonst frage ich mich nur wieder, warum ich arbeiten gehe und nicht das tue, was ich will.
    Liebe Grüße, Kerstin

  6. Willi Hintertux schreibt:

    und was hier noch keiner gesagt hat: bis 2004 war nur rund gut 30% der Rente steuerpflichtig. Seit dem Hrn. Rürup und dem Jahr 2005 sind 50% zu versteuern. Der Versteuerungsanteil steigt jedes Jahr um 2% (aktuell sind es schon 68%) und wird ab Renteneintritt 2040 bei 100% zu versteuernder gesetzlicher Rente liegen.
    D. h. die häßliche kleine Zahl, die auf dem Wisch steht, verkleinert sich nicht nur um die Inflation sondern auch um die Versteuerung….
    Trotzdem hat der Hr. Blüm damals nicht gelogen. Er sagte nur “die Renten sind sicher”, nicht aber “die HÖHE der Renten ist sicher” 😦

  7. Irit schreibt:

    Ich empfehle ein Gespräch bei der Beratungsstelle.
    Ich kann die Benachteiligung der Mütter nicht sehen – der entscheidende Satz ist nämlich: “Sollten bis zum Rentenbeginn Beiträge wie in den letzten fünf Jahren gezahlt werden” etc
    Mit anderen Worten: das ist eine Extrapolation der derzeitigen Einkünfte oder andersherum: die Summe aus den Ansprüchen aus bereits gezahlten Beiträgen und einer Fortschreibung der Beiträge der letzten fünf Jahre. Da du aber vermutlich nicht die nächsten 30 Jahre in Elternzeit bist, ist die Extrapolation natürlich nicht mehr korrekt – was aber die Rentenstelle nicht wissen kann.
    Da der Anspruch in zwei Jahren nur um 8 Euro gestiegen ist, vermute ich mal, du hast auch deine “Mütterrente” noch nicht korrekt angemeldet bzw. die entsprechenden Nachweise erbracht.
    Vielleicht zunächst mal die Sachlage klären.

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