Achtsamkeit im Alltag

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Nachdem ich gestern meinen Plan „Achtsame Selbstreflexion – 30 Tage schreiben“ verkündete, dachte ich heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit darüber nach, was Achtsamkeit für mich bedeutet und wie ich das für mich im Alltag umsetze.

Ich weiß nicht mehr, wann genau nach der Geburt der Kinder mir auffiel, dass ich nur noch nach außen gerichtet war. Den ganzen Tag war ich auf meine zwei Kleinkinder konzentriert, sie forderten mich mit ihren primären und sekundären Bedürfnissen, die nur ich tagsüber erfüllen konnte und wollte. Das führte aber dazu, dass ich keine Zeit und keinen Gedanken mehr für mich hatte und mich sehr fremdbestimmt fühlte.

Wenn ich nur noch nach außen gerichtet bin, dann geht es mir nicht gut. Ich bin sehr angreifbar und/oder fühle mich schnell angegriffen, weil ich nicht „in meiner Mitte“ bin, mich verliere und nur noch damit beschäftigt bin, mich Situationen und Menschen anzupassen.

Im beruflichen oder familiären Alltag hat man nicht immer die Zeit, aufwändige Aufmerksamkeitsübungen durchzuführen und selbst wenn man die Zeit hätte, dann oft vielleicht nicht die Muße. Ich denke, Achtsamkeit sollte nebenher funktionieren und ohne großen Aufwand zum Ziel führen.

Zwar lese ich selten Zeitschriften, habe dafür aber umso mehr Selbsthilfebücher gelesen. Im Laufe der Zeit habe ich daraus für mich verschiedene Methoden entwickelt, die mir helfen, wieder zu mir zu kommen, wenn ich merke, dass ich mich verliere und routiere.

Autofahren
Manchmal lasse ich bewusst das Radio aus und fahre einfach nur dahin. Das funktioniert für mich sehr gut auf dem Weg zur Arbeit, da sitze ich alleine im Auto, fahre in schöner Landschaft stetig dahin und kann meinen Gedanken freien Lauf lassen.

Duschen
Wenn das Wasser fließt, dann fließen auch meine Gedanken. Bei mir ist Duschen zu 10% administrativ, der Rest ist meditativ.

Aufgaben bewusst ausführen
Manchmal häufen sich die Aufgaben zu einem scheinbar unüberwindbaren Berg an und ich weiß nicht einmal, wo ich anfangen soll. Das endet dann häufig darin, dass ich alles gleichzeitig mache und mich sehr gestresst fühle. Besonders „gut“ kann ich das im Haushalt, räume dann alle Zimmer gleichzeitig auf, putze das Bad, bringe kurz was ins Wohnzimmer, um dort das aufgestellte Bügelbrett vorzufinden, das darauf schließen lässt, dass ich irgendwann zuvor angefangen hatte, die Wäsche zusammen zu legen. Das ist der Punkt, an dem ich kurz inne halten kann, mich für eine Sache entscheide, um diese dann ganz ruhig und sehr aufmerksam auszuführen. Um beim Beispiel „Wäsche zusammenlegen“ zu bleiben: Ich nehme beim Zusammlegen die Farbe/den Geruch/die Oberfläche des Wäschestückes ganz bewusst wahr, spüre den Stoff unter meiner Haut, sehe mir das Kleidungsstück sehr genau an und lege es sorgfältigst zusammen. Hier steht nicht die Erfüllung der Aufgabe im Vordergrund, sondern das Tun. Das bringt große Ruhe. Klingt zwar komisch, ist aber so.

Atmen
Läuft alles schief und geht gar nichts mehr, hilft es immer, sich aufs Atmen zu konzentrieren. Einfach kurze Zeit bewusst ein- und ausatmen, fühlen, wie sich der Körper mit Luft füllt und ihn dann wieder verlässt. Mir hilft das, mich kurz zu erden, wieder Ruhe zu finden, um klare Gedanken fassen zu können.

Kennt ihr solche Situationen? Habt ihr auch solche Methoden und verratet sie mir? Bin gespannt auf eure Antworten.

 

Siehe auch:

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8 Antworten zu Achtsamkeit im Alltag

  1. Toll, ich freue mich schon auf mehr. Und bin jetzt ganz erleichtert, dass ich nicht alleine bin so wie ich bin.
    Das mit dem Haushalt läuft hier genau so ab wie Du es beschrieben hast.
    Muss mich manchmal, wenn es ganz dolle ist, an ein bestimmtes Schema halten, also einen Raum nach dem anderen. Diese Routine gibt mir dann wieder Sicherheit.
    Was mir grad so einfällt, ist diese Achtsamkeit den Kindern vermitteln. Wenn wir irgendwo sind, nehme ich bewusst das Tempo raus, bücke mich auch mal und beobachte einen Käfer mit ihnen oder wir riechen an Blumen. Letztens hat mich das so Happy gemacht: wir hielten an einem Kreisverkehr der toll bepflanzt war und alles blühte in bunten Farben und mein Löwenjunge (fast 5) war ganz aufgeregt: “Mama, Mama schau mal was sie da für wunderschöne Blumen gepflanzt haben, so bunt und schön ” 🙂
    Tempo rausnehmen wo es nur geht ist für mich ganz wichtig.
    Ohne Musik bin ich auch oft gerne um bewusst um mich rum zu genießen,
    oder ich genieße die Musik, das kann man auch sehr intensiv”
    Gerüche gehören für mich übrigens auch dazu.
    Bin gespannt auf Deine nächsten Beiträge zu dem Thema

    • vomwerdenzumsein schreibt:

      Liebe Tanja,
      tatsächlich glaube ich, dass wir Kindern Achtsamkeit gar nicht vermitteln brauchen, zumindest nicht in dem Sinne, wie wir sie sehen. Kinder sind immer mitten im Moment – spielen sie im Sandkasten spielen, dann spielen sie im Sandkasten, wenn sie schaukeln, dann schaukeln sie und sind mit den Gedanken nicht schon beim Dreirad fahren. Ich denke eher umgekehrt, dass wir von Ihnen diesbezüglich viel lernen können, ihr Tempo annehmen (genau!) und ihnen die schon natürlich gegebene Achtsamkeit nicht „austreiben“, indem wir ihnen unseren Stress antun.
      Liebe Grüße
      Tina

  2. Interessanter Beitrag. Ich hab auch erst drüber gebloggt http://suchtdasglueck.at/achtsamkeit-im-alltag/
    Mir kommt vor, als würden immer mehr Menschen nach einem Gegenpol zum komplizierten Leben suchen.
    Bin gespannt, was du in den nächsten Tagen/Wochen schreibst.

    Liebe Grüße
    vom Fräulein

    • vomwerdenzumsein schreibt:

      Das ist ja witzig, da passen wir thematisch ja genau zusammen. Es ist ja oft so, dass wenn man sich mit einem Thema beschäftigt, es einem überall begegnet, frei nach dem Motto, wenn man schwanger ist, sieht man überall Schwangere.

      Dann bin ich ebenso gespannt, wie es in eurer Reihe weitergeht. Das werde ich auf jeden Fall verfolgen.

      Viele liebe Grüße
      Tina

  3. Pingback: Achtsamkeit im Alltag: Beschreibe die Rolle, die du im täglichen Leben spielst | WerdenundSein

  4. Pingback: Achtsame Selbstreflexion – 30 Tage schreiben | WerdenundSein

  5. Patrick Koglin schreibt:

    Ja, habe ich und in ein Buch verpackt.

    Es heisst „endlich achtsam“.

    Möchtest du eins?

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