Die Botschaft macht der Empfänger

Dass ich blogge, wissen nicht so viele Menschen. Klingt zwar komisch, ist aber so. Tatsächlich gibt es in meinem realen Umfeld mehr Leute, die keine Kenntnis von meinem Blog haben, als welche, die davon wissen. Ich habe im August letzten Jahres angefangen und die Links zunächst nur über Twitter, da hatte ich vielleicht so um die 60 Follower, und mit wenigen ausgewählten Facebook-Freunden geteilt. Nach und nach vergrößerte ich die Facebook-Zielgruppe und legte eine öffentliche Facebook-Seite für meinen Blog an. Später erzählte ich ein paar Freunden und meinen Schwestern davon. Lange gab ich mich der Illusion hin, dass meine Zeilen sowieso keiner liest. Ich irrte.

wpid-img_20140615_142032.jpg

Ich bin an einem Punkt, wo ich mich frage, wie ich das hier weitermachen will. Es ist eine Frage der Zeit, bis auch mein reales Leben Kenntnis von meinem Blog nimmt, man braucht mich nur zu googeln, mein Ranking überrascht mich selbst. Warum scheue ich mich nicht, vor Fremden zu schreiben, aber ausgerechnet vor Freunden und Familie? Natürlich bin ich verletzbar, sobald das Herz beteiligt ist, darüber schrieb ich bereits in meinem Beitrag Angreifbar. Dieser Aspekt fällt bei Fremden naturgemäß weg. Verwandte, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen können zudem an Vorerfahrungen anknüpfen und oft schwingen Dinge auf Beziehungsebene* mit, die über die Sachebene* nicht kommuniziert werden. Schlussendlich biete ich mit den Inhalten meines Blogs Angriffsfläche, sei es für Familienmitglieder, potenzielle Arbeitgeber oder Nachbarn.

Mir macht das Bloggen unglaublich viel Spaß. Das Schreiben sortiert meine Gedanken, es motiviert mich, tiefer in Themen einzusteigen und sie zu hinterfragen, ich erhalte tolle Rückmeldungen von meinen Lesern (Danke an alle, die kommentieren und mich motivieren!!!) und ich kann es mir ohne gar nicht mehr vorstellen. Ich möchte es aber auch nicht anders machen, nein, ich will genau so weitermachen.

Es wird wohl immer und überall passieren, dass mich mal jemand auf einem Kanal erwischt, auf dem ich sehr verletzlich bin – ob ich nun blogge oder nicht. Das führte mich zu der Frage, wie ich aus so einer Situation besser raus komme und das wiederum hat viel mit dem Thema zu tun, das ich bei Mama Mia verbloggte: Nicht persönlich nehmen!

„Die Botschaft macht der Empfänger“

Dies stand in einem Kommentar unter dem erwähnten Blogpost. Ich ziehe durchaus in Betracht, dass darin eine große Wahrheit liegt, aber insgesamt ist mir das zu einfach. Diese Aussage bietet eine unglaubliche Chance, Dinge anders wahrzunehmen und zu hinterfragen. Das bedeutet für mich aber nicht, dass der Sender keine Verantwortung trägt für das, was er von sich gibt. Und es bedeutet für mich auch nicht, dass der Sender senden kann, was er will und dass alles, was der Empfänger „in den falschen Hals“ kriegt, nicht auch tatsächlich gesendet wurde.

Wenn die Botschaft der Empfänger macht, bin ich dann schlussendlich selbst schuld? Ah, Schuld, gutes Stichwort, mir wurde klar, dass ich den einen Schuldigen suche, ich suchte ein Richtig und ein Falsch. Erst jetzt fange ich an zu begreifen, was ich schon länger weiß (hoho, sehr philospophisch: wissen vs. begreifen): Alles hat zwei Seiten und nur weil die eine Seite vielleicht Recht hat, heißt es nicht, dass die andere Seite Unrecht hat. Es gibt nun mal nicht die eine Wahrheit, kein Schwarz oder Weiß, es gibt zwei Seiten. Es gibt ein „Darf man mit mir machen“ und ein „Darf man nicht mit mir machen!“. Es ist ein Abgrenzungsthema, so wie ich es auch schon bei Mama Mia schrieb.

Ich fürchte mich vor eventuellen Konfrontationen, möchte mich bezüglich des Bloggens aber auch nicht einschränken. Also muss ich lernen, damit umzugehen und deshalb habe ich für mich beschlossen, mich mehr mit dem Thema Kommunikation auseinanderzusetzen. Ich hoffe so, in Situationen (im besten Falle in, ansonsten danach) besser einordnen zu können, was gerade geschieht, um mich so besser zu schützen. Erst gerade habe ich mir das Buch „Miteinander reden 1″von Friedemann Schulz von Thun bestellt, ich bin gespannt. So gewappnet mache ich weiter. Und hoffe das Beste.

 

———————————————
* Wen das Thema interessiert: Sach- und Beziehungsebene oder 4 Ohren Modell googeln, damit kommt man schon ziemlich weit.

Dieser Beitrag wurde unter Werden und Sein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Die Botschaft macht der Empfänger

  1. Kerstin schreibt:

    Ja, das Senden und Empfangen ist mit Sicherheit ein Minenfeld im Miteinander. Das erlebe ich auch immer wieder und gerade in Zeiten, in den Mensch bald mehr schriftlich (sms, blog, facebook, mail usw.) kommuniziert als im tatsächlichen Austausch, scheint es immer schwieriger zu werden, den richtigen Ton zu treffen. Lass Dich nicht verunsichern. Du bist ja der gleiche Mensch – online und im realen Leben. Liebe Grüße, Kerstin

  2. Sam schreibt:

    Ich verstehe Deine Gedanken nur zu gut und freue mich darüber, dass Du auf Deiner Linie weitermachst! Deinen Blog lese ich schon von Anfang an und immer wieder gerne.
    Konfrontationen mag ich auch nicht, jedenfalls nicht, wenn sie darauf hinauslaufen, jemanden zu verletzen oder ihm das eigene Weltbild aufdrücken zu wollen. Aber ich habe auch gelernt, dass man ihnen immer wieder entgegnen muss, ob man will oder nicht.
    Es gibt auch immer jemanden, der keine andere Meinung akzeptiert oder falsch verstehen will, kommen sie allerdings aus dem nahen Umfeld, tut es am meisten weh.
    Ich glaube, Du zeigst den richtigen Weg vor, indem Du Dich der Sache stellen willst, egal was da kommt!
    Liebe Grüße
    Sam

  3. minulinu schreibt:

    Ich spreche auch kaum über mein Blog. Ich überlege gerade, einer Freundin den link zu geben. Ich denke, ich möchte auch keine Konfrontation und vor allem nicht die absehbaren Missverständnisse. Ich möchte hier meins schreiben ohne den Familien-Zusatz-Filter.

    Liefs,
    Minusch

  4. Rosalie schreibt:

    Da das einer meiner Standard-Sprüche ist, kann es sogar sein, dass ich das geschrieben hab. Hab ich in einem Psychologie-Seminar der Uni Zürich gehört…
    Und da haben wir es nämlich schon: Gemeint ist nicht, dass der Empfänger oder der Sender an irgendwas Schuld hätte. Es ist eher eine Beschreibung dessen was häufig passiert. Der eine sagt etwas, was für ihn ganz harmlos ist oder nett gemeint. Der andere interpretiert das aber mit seinem Erfahrungsschatz und seiner Sprachkompetenz im Hintergrund. So kann ein klassisches Missverständnis entstehen. Ist ja eben bei der Interpretation des Spruches auch geschehen.
    Es geht viel mehr darum, mit dem Gegenüber eine Kommunikationsart zu finden, mit der beide nicht an einander vorbei reden.
    Ich durfte schon mit mehreren Menschen zusammen arbeiten, die immer alles falsch verstanden, was ich sagte. Ich hatte schon das Gefühl, die machen das absichtlich um mich zu ärgern. Aber wir haben einfach nicht die gleiche Sprache gesprochen. So entstanden viele Konflikte, die nicht gelöst wurden.

    Am Rande möchte ich nur anmerken, dass ich zumindest den Spruch immer folgendermaßen zitiere: Die Botschaft entsteht beim Empfänger. Das ist durchaus ein Unterschied.

    Zu deinem Blog. Wir wäre es, wenn du aktiv Menschen deines Umfeldes ansprichst. ‚Sag mal, wie findest du, was ich da geschrieben hab? Wie hast du das verstanden? Ich wollte damit nämlich niemanden verletzen, sondern ausdrücken, dass ich …‘ So könntest du bei ‚heiklen‘ Posts gleich vorbeugen, dass sich bestimmte Personen verletzt fühlen.
    Um nicht selbst verletzt zu werden, kann man natürlich einerseits nicht zu viel von sich preis geben oder niemandem vom Blog erzählen. Andererseits kann man (mit viel Übung) auch das ‚angreifende‘ Gegenüber fragen, warum er/sie deinen Blogeintrag gegen dich verwendet?
    Generell finde ich, wenn man es schafft, einen ‚Angriff‘ offensiv abzuwehren, können beide Parteien etwas über einander lernen. Zumindest bleibt der gegenseitige Respekt gewahrt.

    Wie würdest du denn mit jemandem umgehen, den du kennst und in dessen Blog du etwas liest, dass dich stört/angreift/dir falsch vorkommt/dich verletzt etc?

    • vomwerdenzumsein schreibt:

      Hallo Rosalie,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Du hast Recht, im ersten Moment habe ich den Spruch falsch verstanden, bin ja dann selbst darauf gekommen, dass das so nicht stimmen kann. Mittlerweile bin ich auch schon weiter, dank meines neuen Hörbuches 🙂 Und jein, die Botschaft entsteht beim Empfänger, der Sender übermittelt aber auch viele Informationen mit seiner Nachricht. Das ist zweiseitig, im schlimmsten Fall stimmen Sendung und Empfang überhaupt nicht überein oder es wird eine Sachinformation emotional verwertet und man findet keinen gemeinsamen Kontext. Klar, wenn man über zwei verschiedene Dinge redet.

      Mir ist es jetzt zweimal passiert, dass Bezug auf etwas genommen wurde, was ich hier mache, ohne dass dies sachlicher Natur war. Einmal: „Du postest jeden Scheiß auf Facebook, aber für xy hast du keine Zeit!“ Mittlerweile ist mir die Botschaft dahinter durchaus bewußt (ich hätte gerne, dass du mehr Zeit für mich hast). Ein anderes Mal vermute ich Neid als Motivator, ich wurde auf einer Party vor mehreren Personen mit „Ich finde überhaupt nicht gut, was du da geschrieben hast, das bist gar nicht du!“ angesprochen und ich fühlte mich sehr bloß gestellt.

      Ich hätte kein Problem, wenn wir auf Sachebene über meine Texte reden. Das ist nun mal so, dass man nicht immer einer Meinung ist, Dinge anders sieht. Es geht mir eher um Angriffe der o. a. Natur. Und auch die kann man hinterfragen, deuten, ihnen begegnen, es ist aber in erster Linie zunächst einmal unangenehm.

      Liebe Grüße
      Tina

  5. Herzmutter schreibt:

    Toller Beitrag! Mir ging es lange ähnlich – ich habe anonym geschrieben, völlig frei von der Leber weg, und irgendwann mich dann im Netz geoutet. Und auf einmal gab es Streß. Richtig Streß. Mit der Familie… Mein Arbeitgeber hat mich bisher noch nicht gefunden (wäre aber vermutlich kein Problem da schreibe ich ja nichts inhaltlich darüber). Aber wenn ich mich mal neu bewerben sollte muß ich auch damit rechnen 😉 Schon ein komisches Gefühl… andererseits kann man aber stolz auf das sein, was man erreicht hat… ODER? 🙂 Liebe Grüße, Janina

  6. mittsommar schreibt:

    Ziemlich genau darüber habe ich mir auch Gedanken gemacht und das auch verbloggt. Kern dabei die Überlegung, warum ich Fremden so viele Dinge erzähle, die z. B. meine Familie nicht wissen muss. Ein fesselndes Thema, dass Du toll bearbeitet hast und über das sich nachzudenken lohnt.

  7. thurweg schreibt:

    ich kenns aus meinem SChreiballtag und bin total offensiv vorgegangen: meine Familie kennt die Blogadresse und weiss, was ich schreibe. Wenn ich wirklich was schreiben würde, was sie verletzt, würd ich es wahrscheinlich wieder streichen, aber auf jeden Fall das Gespräch suchen. Alles Liebe, zora

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s