Sofaschonbezug des Lebens

„Was?! Du hast noch die Schutzfolie auf deinem Smartphone?“

Meine Freundin schaute mich überrascht an. „Mach‘ die mal runter, du wirst sehen, das Bild ist viel schöner, intensiver und farbiger!“

Schaute mich an und setzte nochmal nach: „Das ist ja wie bei den Omas mit den Sofaschonbezügen!“

Dieser Dialog von Freitag klingt mir immer noch nach. Ich blicke auf mein Handy und frage mich, wo im Leben habe ich noch die Schutzfolie drauf und verpasse so die schönen, intensiven und viel farbigeren Momente?

Die Folie hat eine Funktion und ich ließ sie nicht ohne Grund auf dem Display. Sie schützt es vor Schmutz und Kratzern. Bin ich bereit die Folie zu entfernen und damit die Gefahr einzugehen, dass das Display Kratzer bekommt? Kratzer, die irreparabel sind. Lohnt sich das, „nur“ für schöner, intensiver und farbiger?

Wie oft beschneiden wir uns im Erlebnis, weil wir die Folgen befürchten, von denen wir nicht wissen, ob sie überhaupt eintreten? Kinder sind da anders, sie machen das, wonach ihnen der Sinn steht. Selbst, wenn das langfristig gesellschaftlich nicht durchsetzbar ist, ist es sicher eine freiere Art zu leben. Wie immer wird der goldene Weg in der Mitte liegen, denn immer und überall schutzlos zu sein, ist auch nicht klug. Ich werde das für mich einmal beobachten und im Kleinen anfangen und ab heute mein Display in vollen Zügen genießen. Ist ja nur Materie.

schonbezug

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10 Antworten zu Sofaschonbezug des Lebens

  1. Hannes schreibt:

    Schöne Beobachtung. ist echt so eine Sache mit den Schutzfolien des Lebens. Ich hab übrigens auch eine auf dem Mobifon 😀

  2. Mia Sommer schreibt:

    Sehr schön 🙂 Bei mir gibt es keine Schonbezüge mehr. Nirgendwo. Aber ich wünsche mir den ein oder anderen zurück.
    Liebe Grüße.

  3. kleinwirdgross schreibt:

    Sich selber Einschränken, weil man die Folgen fürchtet. Ja, das mache ich auch des öfteren. Wenn ich mich trotzdem auf die Erfahrung einlasse, genieße ich sie meistens. Ich denke, dass manche Schutzbezüge schon ihren Grund und Daseinsberechtigung haben. Vielleicht nur in gewissen Umständen und nicht überall? Ich brauche einfach eine Schutzfolie, die je nach Bedarf drauf und abgemacht werden kann 🙂
    LG
    Petra

  4. Rosalie schreibt:

    Mit Verlusten ist zu rechnen.
    Aber solang es nur ein Kratzerchen auf dem Handybildschirm wäre, wäre die Welt noch in Ordnung.
    Oder aber: No risk, no fun!
    Trifft ebenso auf viele Situationen im Leben zu. Also, worauf wartest du?

  5. Mamamotzt schreibt:

    Meine Schutzfolie ist drauf. Damit kann ich nämlich auch in den allerschönsten Sonnenstrahlen alles klar erkennen. Die Folie hat doch ihre Berechtigung!
    Auf dem Phönchen und im Leben. 🙂

  6. Zwetschgenmann schreibt:

    Natürlich ist das nur eine Allegorie, schon klar.
    Auf der anderen Seite werden aus Kratzern Sprünge und irgendwann ist der Schaden da. Ein neues Display kostet 150 €. Oder gleich ein neues Handy?
    Ist auch eine Allegorie. Ein wenig Schutz statt Wegwerfen müssen…
    Ein wenig Schutz, um etwas Wertvolles zu bewahren. Oder?

    • vomwerdenzumsein schreibt:

      Ich denke, dass man nicht einfach alle Schutzhüllen runterreißen darf, als gäbe es kein Morgen. Wenn man ein wenig auf geeignete Umgebung achtet, kann man es farbiger genießen und gibt die Umgebung es nicht her, dann ist mehr Schutz angesagt. 😉

  7. Simone von KiKo schreibt:

    Mein „Schonbezug“ ist auf dem „guten“ Geschirr. Das steht für besondere Anlässe seit der Hochzeit im Schrank und wird nur einmal im Jahr (wenn überhaupt) benutzt.
    Und jedes meiner Kinder hat Kleidungsstücke für „GUT“! Die sie eventuell gar nicht oder nur einmal tragen und ansonsten im Schrank warten bis die Bande rausgewachsen ist! 😉

  8. Pingback: Glückliche Männer, geschützte Displays, junge Werber – 1ppm von Johannes Mirus

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