Weisheiten aus dem Kindergarten

Wenn ich meine Beiden vom Kindergarten abhole, finde ich sie meistens draußen. Die Regel des Kindergartens lautet: Jedes Kind, das geht, räumt (s)ein Spielzeug auf.

Noch heute Morgen klopfte ich mir selbst auf die Schulter und fragte mich, wie ich das immer hinbekomme, mit zwei bekleideten, satten – nicht immer gekämmten, aber hey, erwähnte ich satt? – Kindern um sieben Uhr am Kindergarten zu sein. Selbst schuld, man soll den Tag nicht vor dem Verlassen des Kindergartens loben: Ich war zwar um kurz nach Sieben dort, aber dank ausgeprägten Trotzanfalls der Kleinen erst sehr viel später wieder draußen.

Als ich heute Nachmittag ankam, bat die Erzieherin die Kinder, noch etwas aufzuräumen. Die Große (5) sauste gleich los, die Kleine weigerte sich. Schnell war sie auf dem Niveau von sieben Uhr. Ich auch, aber im Gegensatz dazu hatte ich jetzt Zeit. Ich setzte mich auf eine Bank, zu meinen Füßen die brüllende Tochter und in Sicht- und Hörweite die Erzieherin und mehrere Eltern. Ich liebe solche Situationen. Meine Kleine schrie: „Aber ich will nicht!“ und ich entgegnete irgendetwas pädagogisch haltbares.

Die Kleine erhöhte auf geschätzte 80 Dezibel und trotzte damit jeder wpid-img_20141020_195203.jpgArbeitsstättenverordnung, als vor mir ein Dreirad, bewaffnet mit einer blonden Fünfjährigen, hielt. Sie schaute mich altklug an, musterte die am Boden liegende Kleine. Ich meine gesehen zu haben, wie sich ihre rechte Augenbraue leicht anhob, als sie ausholte:“Ich trödel ja nie rum, wenn meine Mutter mich abholt!“

Öhm. Ich muss zugeben, meine Solidarität zu meiner Dreijährigen war nicht gerade in Topform, steigerte sich jedoch prompt ins Unermessliche. „Aha!“, sagte ich nur und zu meiner Kleinen gewandt:“Du, deine große Schwester wartet sicher schon!“

„Ich habe ja keine Geschwister!“, legte das Dreirad nach.

Ich schaute wohl etwas ratlos, vielleicht auch ein wenig inkompetent, man weiß es nicht. Ich blickte von ihr zu meinem kleinen Trotzbündel, zu der Erzieherin und wieder zu ihr. „Hm!“, machte ich.

Lag es an ihrer Einzelkind-Situation oder an ihrer sicher wahnsinnigen Lebenserfahrung, auf jeden Fall gab sie mir noch mit: „Zwei Kinder sind aber auch wirklich schwierig!“. Drehte sich um und radelte davon.

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2 Antworten zu Weisheiten aus dem Kindergarten

  1. Rosalie schreibt:

    Tja, wo sie Recht hat, hat sie Recht.
    Kopf hoch, in 20 Jahren lachen wir über die Erinnerung an trotzige Kinder.

  2. andreasclevert schreibt:

    „Legte das Dreirad nach“…. „ein Dreirad bewaffnet mit einer Fünfjährigen“ das ist einfach sehr schöner Perspektivwechsel. Wollte ich nur nachschieben.

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