„Da wimmelt es nur so von Schwarzen“

Vor kurzem saß ich beim Friseur und ließ meine Strähnchen einwirken, während ich durch mein Smartphone scrollte und an meinem Cappuccino nippte. Am Nachbartisch ging es um die aktuelle Flüchtlingssituation im bayrischen Landkreis. Richtig aufmerksam wurde ich beim Satzbeginn: „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, irgendwo müssen die ja auch hin. Aber es stört mich, dass man keinerlei Kritik mehr äußern kann, ohne dass gleich Nazi geschrien wird.“ Die Dame äzte weiter, dass Mütter aus dem Nachbardorf nun alle!! später zur Arbeit führen, weil sie ihre Kinder in die Schule bringen müssten. Denn die Kinder, besonders die Mädchen hätten jetzt Angst. Denn – ich zitiere: „Da wimmelt es ja nur noch so von Schwarzen!“

Es ging dann weiter damit, dass es ja ungerecht sei, dass die Flüchtlinge im Sportlerheim untergebracht wären und unsere Jugendlichen nun nicht wüssten, wohin. Die Dame trug weder Springerstiefel, noch hatte sie ein Shirt an, auf dem mit altdeutscher Schrift irgendwelche Parolen geschrieben waren. Sie saß bei einem der kostenintensivsten Friseure der Stadt und ich würde sie aufgrund ihrer Erscheinung gesellschaftlich mal vorsichtig in der oberen Mittelschicht einstufen.

Im Gegensatz dazu steht ein Gespräch, das ich erst vor ein paar Tagen mit meiner großen Tochter (6) hatte. Sie erzählte mir von Mohammed, einem Kind aus dem Kindergarten, der mit seinen Eltern und seinen zwei Geschwistern mitten in der Nacht weglaufen musste, da das Haus gewackelt habe. Sein Vater hätte die kleinste Tochter sehr weit tragen müssen, weil die noch nicht gehen konnte und dann wären sie viele Tage mit dem Schiff gefahren und das wäre ganz gefährlich gewesen. Ich sagte, dass es gut sei, dass die Familie nun hier sei und dass es leider Menschen gäbe, die das nicht so sehen. Darauf sagte sie: „Ich find’s gut, wenn die zu uns kommen. Dann haben die keine Angst mehr.“

Ich dachte kurz an Heidenau und verwarf den Gedanken gleich wieder. Sie hat recht und reinen Herzens gesprochen. Sie hat die Menschen gesehen und das Grundbedürfnis nach Sicherheit. Sie hat gesehen, dass wir hier in Deutschland fähig sind, das weiterzugeben und sie ist bereit, das zu teilen. Ich glaube, sie hätte keine Angst, zur Schule zu gehen, wenn sie auf ihrem Schulweg auch andersfarbige Menschen träfe.

Nicht jeder muss sich für Flüchtlinge engagieren oder auf Demos gehen. Aber ich halte es für sehr wichtig, den Anfängen zu wehren, gegen Stammtischparolen Widerstand zu leisten und leere Phrasen zu hinterfragen. Das muss nicht auf dem Marktplatz im Getümmel von emotional erhitzten Menschen passieren. Aber so ein Gespräch, wie ich es beim Friseur gehört habe, hätte ich im Bekanntenkreis massiv hinterfragt. Ich glaube daran, dass auch kleine Denkanstöße helfen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen oder zumindest zu verhindern, dass sie zu einem schlechten wird. Ich glaube auch, dass kleine Taten in Summe Großes bewirken. Und dass es möglich ist, Menschen, die in Not sind und schier Unglaubliches erlebt haben, mit offenen Herzen zu empfangen.

Heute ist das ganz einfach:

Das junge Unternehmen MyPostcard unterstützt die Aktion #Bloggerfuerfluechtlinge. Setzt ein Zeichen und schickt eine Willkommenspostkarte nach Heidenau. Euch kostet das nichts, maximal zwei Minuten eurer Zeit. Redet darüber: mit euren Kindern, Nachbarn, Bekannten, Arbeitskollegen und helft uns, den Flüchtlingen in Heidenau zu zeigen, dass Deutschland mehr ist, als seine schlechten Nachrichten.

Wie ihr mitmachen könnt:

Einfach die App von MyPostcard herunterladen: https://play.google.com/store/apps/details… oder http://apple.co/1FOm1rm.

Postkarte gestalten (gerne mit unserem Logo von #bloggerfuerfluchtlinge), Willkommenstext schreiben und auf Senden und Bezahlen klicken. An der Kasse gebt ihr in das Gutscheinfeld „refugees“ ein – so ist die Postkarte für euch kostenlos.

Die Adresse lautet:

Flüchtlingsunterkunft
Hauptstr. 10
01809 Heidenau

bloggerfuerfluechtlinge1

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3 Antworten zu „Da wimmelt es nur so von Schwarzen“

  1. Gerade gestern hatte ich ein tolles Gespräch. Aus einem Satz, dass zu viele kämen, und meine Antwort darauf, dass es auch gut so ist, entstand eine großartige sachlich Diskussion, die mit dem Satz endete: „Du hast Recht, es sind alles nur Vorurteile.“ Ich habe mich so grefreut, dass meine Worte zum Denken anregten und sogar verstanden wurde. Du hast Recht, nicht immer bietet sich die Möglichkeit im großen Rahmen zu demonstrieren. Aber wenn jeder nur einen Menschen in der Woche mit Worte überzeugen oder zumindest zum Nachdenken anregen kann, dann haben wir eine Menge errreicht. Alles Liebe und ein schönes Wochenende!

    • vomwerdenzumsein schreibt:

      Vielen Dank für deinen tollen Kommentar. Genau das, was du beschreibst, habe ich gemeint. Und ich freue mich über dein Erlebnis, das dem mir gegenüber oft geäußerten Vorwurf der Blauäugigkeit widerspricht. Danke.

  2. aussteiger geno schreibt:

    die mehrheit der armutsflüchtlinge kommt, weil wir sie bestehlen !
    die fluchtursachen müssen bekämpft werden. unser wirtschaftliches wachstum bedeutet heute wachstum der armut und wachstum der hungernden menschen auf unserem planeten. diese politik mit unserem gegenwärtigen system sorgt weltweit für aufstände der unterdrückten, bürgerkriege, armut und hungersnot. wir gierigen konsumenten sind die komplizen und lassen mit unserem konsumverhalten all dies erst zu.

    fragt nicht mehr was eure regierungen gegen all die armut und hungesnot auf unserem planeten tun können, fragt euch selbst, was ihr dagegen tun könnt.

    51 millionen menschen sind auf der flucht und 86 % davon landen und leben in entwicklungsländern. 2013 nahm deutschland gerade mal 109.000 flüchtlinge auf.aber pakistan 1.600.000, iran 857.400, libanon 856.500, jordanien 641.900 und die türkei 609.900.

    „illegale einwanderer sollen zurück nach hause!“ viele einwohner der enwicklungsländer, oder die australischen aborigines fragen: „wirklich? wann geht ihr denn?“

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